Show Less
Restricted access

Pikareske Ökonomie – Grimmelshausens «Der seltzame Springinsfeld» im diskursiven Kontext des 17. Jahrhunderts

Series:

Malte Kleinjung

Am Beispiel von Grimmelshausens Der seltzame Springinsfeld entfaltet diese Studie die These, dass Schelmenromane ein Drittes der Ökonomie zur Darstellung bringen können, das neben der Haushaltsführung und dem Marktgeschehen keinen Platz im gelehrten Diskurs hat. Allerdings hängt dieses Dritte mit Kontexten zusammen, die in der historischen Rückschau nicht unbedingt auf Anhieb als ökonomisch erscheinen. Um diese Kontexte in den Blick zu bekommen, stützt sich die Studie auf eine kritische Adaptation des sogenannten New Historicism. Dabei zeigt sich, dass in Grimmelshausens Roman nicht nur einschlägige Wissenselemente zu einem buntscheckigen Tableau zusammengefügt sind, sondern darüber hinaus das Erzählen und Schreiben selbst ökonomisiert wird.

Show Summary Details
Restricted access

9. Zusammenfassung

Extract

Den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit bildete ein Befund, der immer wieder hervorgehoben, aber bislang nur selten untersucht wurde: die Fülle von ökonomischen Motiven in Grimmelshausens Texten. Die wenigen Beiträge, die sich bislang dieser Facette seines Oeuvres widmen, haben eine Gemeinsamkeit. Wenn sie ihre Lektüre mit zeitgenössischen Quellen unterfüttern, adaptieren sie mehr oder weniger stillschweigend eine wirtschaftsgeschichtliche Perspektive, die den vormodernen Ökonomie-Diskurs durch zwei Pole charakterisiert sieht. Um den einen Pol gruppieren sich dabei theologische Texte, um den anderen Ökonomiken und kaufmännische Gebrauchsliteratur. Die auf diesem bipolaren Schema beruhenden Analysen sind ergänzungsbedürftig. Denn die Gattung des Pikaro-Romans, zu der große Teile von Grimmelshausens Werk zu zählen sind, versammelt mit Bettelei, Glücksspiel und Raub ökonomische Praktiken, die von keinem der beiden Pole abgedeckt werden. Deshalb wurde hier gleichsam ein Mittelweg eingeschlagen, der in einen dazwischen liegenden Bereich führen sollte. Die zentrale Frage lautete, ob und inwieweit die Darstellung spezifisch pikaresker Wirtschaftsweisen an Diskursen partizipiert, die man aus heutiger Perspektive nicht (mehr) als ökonomisch relevant einstuft. Der seltzame Springinsfeld empfahl sich für diese Fragestellung als Untersuchungsgegenstand, weil seine Figuren – mit Ausnahme von Simplicius – weder in einem Haushalt noch unter Kaufleuten einen Platz finden.

Methodisch orientierte sich die vorliegende Untersuchung an Stephen Greenblatts New Historicism, der von Moritz Baßler ausgearbeitet und auf ein theoretisch sicheres Fundament gestellt wurde. Eine Studie zur Frühen Neuzeit stößt in diesem Rahmen jedoch an Grenzen, die durch den Stand der Technik...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.