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Von Musen und Musik: Zu Oper, Libretto und Singspiel

Hans-Albrecht Koch

Das Buch behandelt literarische Texte, die zur Vertonung für musikalischen Vortrag bestimmt waren. Der erste Hauptteil handelt vom deutschen Singspiel des 18. Jahrhunderts, vor allem in seiner österreichisch-süddeutschen, speziell Wiener, Ausprägung. Das Singspiel wählte höfische und bürgerliche Sujets, aber auch Märchenstoffe, und war für ausgebildete Sänger gedacht. Seinen Höhepunkt fand es in der gemeinsamen Arbeit von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart an der «Zauberflöte» und in Goethes «Zweiter Zauberflöte». Der zweite Hauptteil behandelt die Operndichtungen, die der Wiener Hugo von Hofmannsthal für den Komponisten Richard Strauss schrieb, besonders die symbolträchtige, vielfach an die «Zauberflöte» anknüpfende Oper «Die Frau ohne Schatten» und «Arabella», das letzte gemeinsame Werk beider Künstler.

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Singspiel

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wurde im 17. Jahrhundert die Oper mit deutschsprachigem Libretto genannt. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. setzte sich der Ausdruck, neben Operette, als Bezeichnung einer eigenständigen Gattung durch. Das Singspiel hatte zwei geographisch verschiedene Ursprünge und Entwicklungen: im nord- und mitteldeutschen und im österreichisch-süddeutschen Raum, besonders in Wien. Die Singspiele im Norden behandelten einfache Stoffe aus dörflichem Milieu und wurden von singenden Schauspielern aufgeführt; das Wiener Singspiel dagegen wähle höfische und bürgerliche, aber auch Märchenstoffe, war für ausgebildete Sänger gedacht, und an die Stelle gesprochener Dialoge trat meist das Rezitativ.

Die Anfänge des Singspiels im Norden bildeten Possen nach Art der englischen „ballad-operas“, also Parodien auf die „opera seria“ (z. B. „The Beggar`s Opera“ von John Gay und Johann Christoph Pepusch), wie sie u.a. Gottfried Heinrich Koch 1752 in Leipzig aufführte. Christian Felix Weiße schuf, angeregt durch die „opéra comique“, Singspiele mit Chansontexten, die Johann Adam Hiller als einfache Gesellschaftslieder im Stil der Berliner Liederschule vertonte. Aus beider gemeinsamer Produktion war „Die Jagd“, 1770 in Weimar uraufgeführt, am erfolgreichsten. Weimar wurde, nachdem sich Koch, 1768 durch die Professoren aus Leipzig verdrängt, dorthin begeben hatte, zur wichtigen Pflegestätte des Singspiels. Goethe, der die Hiller-Weißeschen Operetten als Student kennengelernt hatte, konnte dort mit eigenen Singspielen an eine Tradition anknüpfen, die unter der wohlwollenden Teilnahme der selbst komponierenden Herzogin Anna Amalia gediehen war.

Im Süden war...

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