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Von Musen und Musik: Zu Oper, Libretto und Singspiel

Hans-Albrecht Koch

Das Buch behandelt literarische Texte, die zur Vertonung für musikalischen Vortrag bestimmt waren. Der erste Hauptteil handelt vom deutschen Singspiel des 18. Jahrhunderts, vor allem in seiner österreichisch-süddeutschen, speziell Wiener, Ausprägung. Das Singspiel wählte höfische und bürgerliche Sujets, aber auch Märchenstoffe, und war für ausgebildete Sänger gedacht. Seinen Höhepunkt fand es in der gemeinsamen Arbeit von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart an der «Zauberflöte» und in Goethes «Zweiter Zauberflöte». Der zweite Hauptteil behandelt die Operndichtungen, die der Wiener Hugo von Hofmannsthal für den Komponisten Richard Strauss schrieb, besonders die symbolträchtige, vielfach an die «Zauberflöte» anknüpfende Oper «Die Frau ohne Schatten» und «Arabella», das letzte gemeinsame Werk beider Künstler.

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Das Textbuch der „Zauberflöte“. Zu Entstehung, Form und Gehalt der Dichtung Emanuel Schikaneders

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1.

Das unsichere und schwankende Urteil über das Textbuch der „Zauberflöte“ bildet einen merkwürdigen Kontrast zu der einmütigen Bewunderung, die man der Musik Mozarts stets entgegengebracht hat.

Die einen rechnen es ohne Bedenken unter jene trivialen Dutzendlibretti, an denen in der Opernliteratur aller Zeiten kein Mangel ist und deren Aufgabe sich darin erschöpft, dem Komponisten Raum für schöne Arien und bunte Ensemble-Auftritte zu schaffen. Andere sehen einen Vorzug dieses Textbuches vor denen der zeitgenössischen Singspiele darin, daß Schikaneder bei seiner Gestaltung vielfach das humanitär-philanthropische Gedankengut der Freimaurerei verarbeitet hat, ohne freilich zu bedenken, daß dergleichen allein noch lange kein gutes, das heißt bühnenwirksames Libretto macht.

Dabei dürfte gerade die Bühnenwirksamkeit des Schikanederschen Spiels zu der Vorrangstellung beigetragen haben, welche „Die Zauberflöte“ in Mozarts Opernschaffen innehat. Es gibt Äußerungen von Mozart selbst, auf die sich diese Auffassung berufen kann.

Während der Komposition der knapp zehn Jahre vor der „Zauberflöte“ entstandenen „Entführung aus dem Serail“ äußert Mozart sich mehrmals unwillig über die schlechte Arbeit des Librettisten. So schreibt er in einem vom 13. Oktober 1781 datierten Brief an den Vater den viel zitierten Satz: „bey einer opera muß schlechterdings die Poesie der Musick gehorsame Tochter seyn – “, woraus man später immer folgerte, ihm sei das Textbuch im Grunde völlig gleichgültig gewesen, während er tatsächlich in demselben Brief sogleich fortfährt: „um so...

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