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Von Musen und Musik: Zu Oper, Libretto und Singspiel

Hans-Albrecht Koch

Das Buch behandelt literarische Texte, die zur Vertonung für musikalischen Vortrag bestimmt waren. Der erste Hauptteil handelt vom deutschen Singspiel des 18. Jahrhunderts, vor allem in seiner österreichisch-süddeutschen, speziell Wiener, Ausprägung. Das Singspiel wählte höfische und bürgerliche Sujets, aber auch Märchenstoffe, und war für ausgebildete Sänger gedacht. Seinen Höhepunkt fand es in der gemeinsamen Arbeit von Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart an der «Zauberflöte» und in Goethes «Zweiter Zauberflöte». Der zweite Hauptteil behandelt die Operndichtungen, die der Wiener Hugo von Hofmannsthal für den Komponisten Richard Strauss schrieb, besonders die symbolträchtige, vielfach an die «Zauberflöte» anknüpfende Oper «Die Frau ohne Schatten» und «Arabella», das letzte gemeinsame Werk beider Künstler.

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„Die Tiefe muss man verstecken. Wo? An der Oberfläche.“

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Am 15. Juli 1929 traf im Hause Hugo von Hofmannsthals in Rodaun bei Wien ein Telegramm ein, dessen Inhalt der eben vom Schlag dahingeraffte Dichter nicht mehr erfuhr: „Erster Akt ausgezeichnet. Herzlichen Dank und Glückwünsche.“ Absender war der Komponist Richard Strauss, der mit diesen Worten dem Dichter zum Abschluß der vollständigen Umarbeitung des ersten Aktes der Oper „Arabella“ gratulierte. Hofmannsthal hatte, wie des öfteren in der Zusammenarbeit mit Strauss, nach Beendigung der ganzen Dichtung den bereits fertigen ersten Aufzug des Librettos nach den brieflich geäußerten Wünschen und dramaturgischen Ratschlägen des Komponisten noch einmal gründlich umgestaltet. Die Neufassung läßt den ersten Akt nicht mit dem Gespräch zwischen Arabella, Zdenka und Matteo, sondern mit dem großen Monolog der Arabella enden. Dieser schließt mit dem offenen „und dann …“: das deutet auf alles Mögliche, nur nicht auf die Gewißheit eines kommenden Glücks:

Und heut ist Faschingsdienstag und am Abend ist mein Ball

– Von dem bin ich die Königin – und dann …

Strauss und Hofmannsthal hatten mit der „Arabella“ etwas wie einen „zweiten Rosenkavalier“ schaffen wollen, die Handlung aber nicht in ein fiktives 18., sondern in ein fiktives 19. Jahrhundert gelegt, nicht in die melancholische Schönheit einer „Marie Theres“-Welt, sondern in die melancholische Häßlichkeit einer vor den Augen des Zuschauers herunterkommenden gräflichen Familie. Dabei ist das eine so voller Andeutungen belassen wie das andere, um nicht dem Irrtum Vorschub zu...

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