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Dialektisches Ringen zwischen Tradition und Moderne

Mustafa Sabris Positionierung zu den theologischen und intellektuellen Herausforderungen in der Spätphase des Osmanischen Reiches (19.–20. Jh.)

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Merdan Güneş

Diese Arbeit widmet sich den theologischen und gesellschaftspolitischen Ansichten des spätosmanischen Gelehrten Mustafa Sabri Efendi (1869–1954). Er begegnete den Debatten seiner Zeit nicht nur als Religionsgelehrter, sondern auch als politischer Aktivist. Seine Situierung in einer Umbruchsphase zwischen Tradition und Moderne verleiht seinen Beiträgen aktuelle Relevanz. Allen voran thematisierte er das Verhältnis zwischen Offenbarung und Vernunft, Wissenschaft und Glaube sowie Religion und Politik. Dabei äußerte er sich zu diesen Themen stets aus der Perspektive einer sunnitischen ʿašʿarītischen Theologie. So kann Sabris Denken als ein Gegenentwurf zum islamischen Modernismus des von Ǧamāl ad-Dīn al-Afġānī (gest. 1897) und Muḥammad ʿ Abdūh (gest. 1905) verstanden werden.

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2.2.2 Auf der Suche nach neuem politischen Engagement

2.2.2Auf der Suche nach neuem politischen Engagement

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Sabri war eines der Gründungsmitglieder der 1910 ins Leben gerufenen Volkspartei (Ahâli Fırkası) und der 1911 gegründeten Partei für Freiheit und Einigkeit ←67 | 68→(Hürriyet ve İtilaf Fırkası).242 In letzterer machte er seine zweite Erfahrung als Abgeordneter, in der er im Januar 1919 als Abgeordneter Tokats aktiv war.243

Die Partei für Freiheit und Einigkeit zeichnete sich sowohl durch ihre positive Gesinnung Europa gegenüber als auch durch ihre aufgrund der politischen Umstände zahlreichen traditionell islamisch ausgerichteten Mitglieder aus. Laut Mustafa Sabri hat die Partei so nicht nur die religiöse bzw. konservative Schicht repräsentiert, sondern auch Atheisten zu ihren Mitgliedern gezählt.244 Diese unterschiedlichen Ansichten innerhalb der Partei waren schließlich auch der Grund für ihre Spaltung in vier Gruppen. Sabri führte die Gruppe Moderate Partei für Freiheit und Einigkeit (Mûtedil Hürriyet ve İtilaf Fırkası) an.245 Das Programm der Partei beabsichtigte zudem die Einheit der Völker (ittihadı anâsır), aus denen sich das Osmanische Reich zusammensetzte und die die Freiheit von Rechtsschulen (maḏāhib) gewährleisten sollte. Nach İsmail Hakkı Pascha (1818–1897) wurde Mustafa Sabri zum Vorsitzenden bzw. Repräsentanten der Abgeordnetenkammer im Namen der Partei gewählt. Sabri zog durch seine scharfe Kritik am Komitee für Einheit und Fortschritt Aufmerksamkeit auf sich. Insbesondere kritisierte er dabei den vom Komitee auf politisch aktive Beamte ausgeübten Druck. Sabri wurde aufgrund seiner rationalen, diskursiven und schriftlichen Fähigkeiten...

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