Show Less
Restricted access

Dialektisches Ringen zwischen Tradition und Moderne

Mustafa Sabris Positionierung zu den theologischen und intellektuellen Herausforderungen in der Spätphase des Osmanischen Reiches (19.–20. Jh.)

Series:

Merdan Güneş

Diese Arbeit widmet sich den theologischen und gesellschaftspolitischen Ansichten des spätosmanischen Gelehrten Mustafa Sabri Efendi (1869–1954). Er begegnete den Debatten seiner Zeit nicht nur als Religionsgelehrter, sondern auch als politischer Aktivist. Seine Situierung in einer Umbruchsphase zwischen Tradition und Moderne verleiht seinen Beiträgen aktuelle Relevanz. Allen voran thematisierte er das Verhältnis zwischen Offenbarung und Vernunft, Wissenschaft und Glaube sowie Religion und Politik. Dabei äußerte er sich zu diesen Themen stets aus der Perspektive einer sunnitischen ʿašʿarītischen Theologie. So kann Sabris Denken als ein Gegenentwurf zum islamischen Modernismus des von Ǧamāl ad-Dīn al-Afġānī (gest. 1897) und Muḥammad ʿ Abdūh (gest. 1905) verstanden werden.

Show Summary Details
Restricted access

6.4 Skeptizismus

6.4Skeptizismus

Extract

Wenngleich die Grundzüge der Rezeptionsgeschichte der darwinschen Evolutionstheorie im arabischen Raum bekannt sind,1304 fehlen gleichzeitig Detailstudien, welche die Rezeptionsgeschichte einzelner Werke und Übersetzungen nachvollziehen, auch kritische Editionen der von den im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert im arabischen Raum verwendeten evolutionstheoretischen Werken, weitgehend. So kann daher auch in dieser Untersuchung letztlich nicht genau nachvollzogen werden, durch welche Kanäle Mustafa Sabri sein Wissen über den Darwinismus erhielt. Es ist zumindest bekannt, dass er die darwinistischen Werke, die er rezipierte, nicht im Original lesen konnte; welche Übersetzungen er also verwendete und welche möglichen Übersetzungsfehler oder interpretativen Verzerrungen sie vielleicht enthielten, ist daher nicht abzuschätzen. Entsprechend bleibt daher auch die Frage offen, inwiefern Sabri die von ihm rezipierten Werke missverstanden haben könnte. Um diese Fragen abschließend klären zu können, benötigt es weitergehende Studien zur frühen Rezeption und Diskursgeschichte darwinscher Theorien zur Zeit Sabris.

Zuletzt bleibt es jedoch nötig, auf die große Zahl an Positionierungen seitens muslimischer Gelehrter und Intellektueller der Gegenwart wie auch der ←282 | 283→Vergangenheit hinzuweisen. Während das verbindendes Element all dieser die Überzeugung ist, dass sämtliche Prozesse in der Welt wie im Kosmos allein auf Gottes Willen zurückgehen, gehen die Meinungen bereits in der Frage, ob dies auch die Möglichkeit der Evolution einschließt, sehr weit auseinander. Gegenwärtig existieren neben pauschalen Ablehnern jeglicher Evolution1305 und einer vorbehaltlosen Annahme der gegenwärtigen Schulmeinung der Evolutionsbiologie1306 auch zahlreiche unterschiedlich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.