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Die Hochzeit von Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg und Anna von Jülich-Kleve-Berg (1574)

Edition und Untersuchungen zur Gattung Festbeschreibung

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Rebecca Anna

Gegenstand dieser Publikation sind die narrativen Beschreibungen zur Neuburger Hochzeitsfeier 1574, die bislang weder editorisch noch gattungsanalytisch erschlossen wurden. Die zugrunde gelegten Quellen werden in einer Edition einem breiteren Lesepublikum zugänglich gemacht und inhaltlich kommentiert. Weiterhin wird auf der Quellengrundlage eine Gattungsbeschreibung für die frühen handschriftlichen Festbeschreibungen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts geleistet. Es zeigt sich, dass für diese, für ein binnenhöfisches Publikum bestimmten Festbeschreibungen kein striktes Kontingenztabu besteht, so wie es für Drucke definiert ist. Anhand der Textzeugen zur Neuburger Hochzeit kann gezeigt werden, dass es einer Neubewertung der Gattung bedarf.

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4 Gattungszuordnung der Festbeschreibungen zur Neuburger Hochzeit

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Nachdem nun die handschriftlichen Beschreibungen zur Neuburger Hochzeit in ihrer Überlieferung und Materialität dargestellt, deren Inhalt ediert und in einen kulturhistorischen Kontext gestellt wurden, widmet sich dieses Kapitel der Einordnung der Handschriften aus Amberg, München und Zweibrücken sowie des Drucks von Feyerabend in eine literarische Gattung. Eine Gattungsuntersuchung dieser in einen Festkontext eingebetteten Texte setzt die Befassung mit spezifischen Begriffen und ihre jeweilige Abgrenzung voneinander voraus. Zunächst ist jedoch unabdingbar, den auch heute noch facettenreichen Begriff des Festes hinsichtlich zeremonieller Handlungen genauer zu betrachten.

Einem Fest können vollkommen verschiedene Anlässe zugrunde liegen und seine Ausprägung wird im Einzelfall immer einen ganz individuellen Charakter aufweisen. Eng mit dem Fest verbunden ist das Zeremoniell, wobei beide Begriffe nicht synonym zueinander stehen. Feste erfordern einen besonderen zeremoniellen Aufwand und das Zeremoniell erfährt gerade im höfischen Fest seinen Höhepunkt.427 Eine ganz grundsätzliche Unterscheidung liegt in der Trennung von höfischem und kirchlichem Fest. Hauptunterscheidungskriterium ist die regelmäßige Wiederkehr letztgenannter Feiern bzw. die Unvorhersehbarkeit erstgenannter: Das sakrale Fest schöpft seine Würde als Ritual aus seiner Unveränderlichkeit, aus der zeitlichen Zyklizität. Dagegen bezieht das höfische Fest seine Würde aus seiner Einmaligkeit. Jörg Jochen Berns und Thomas Rahn stellen in ihrer Arbeit heraus, dass jeder Festanlass am Hof als Ereignistyp (‚casus‘) bestimmt werden muss, der eine bestimmte zeremonielle Reaktion fordert. ←169 | 170→Gleichzeitig bleibt der Anlass jedoch nicht voraussehbar, also nicht planbar, weswegen eine Zeremonialisierbarkeit nicht...

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