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Strategien des Begehrens: Homotextualität in der deutschen und mexikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts

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Raquel Soledad López Torres

Im Rahmen der Gender und Cross Cultural Studies vergleicht die mexikanische Germanistin Raquel Soledad López Torres im Ausgang von Jacob Stockingers Ansatz zur Analyse von ‹Homotextualität› Werke deutscher und mexikanischer Autoren des 20. Jahrhunderts – Bruno Vogel, Hubert Fichte, Detlev Meyer, Luis Zapata, Raúl Rodríguez Cetina und Luis González de Alba – im Hinblick auf die interkulturell und ‹homotextuell› unterschiedliche literarische Verarbeitung ihrer eigenen sexuellen Identität. Das besondere Augenmerk der Verfasserin gilt dabei nicht nur der Homosexualität als eines literar-ästhetischen Sujets, sondern auch den sozial-historischen Bedingungen, unter denen die Autoren ein zu ihrer Zeit tabuisiertes Thema in ihren verschiedenen Kulturen angesprochen haben. Exemplarisch stellt sie in ihrer Untersuchung jeweils die Modellierung der Figur zweier schwuler Soldaten, die provokative Schreibweise zweier bisexueller Autoren und die (auto-)biographisch heikle Behandlung der Aids-Problematik einander gegenüber. Angesichts der zuletzt vielerorts wieder zunehmenden Homophobie und Xenophobie kommt diese Studie genau zur rechten Zeit, um das Bewusstsein der Leser für die Diskriminierungserfahrung von Minderheiten zu schärfen.

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2 Historischer Hintergrund

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„Damals fühlte der einzelne gleichgeschlechtlich empfindende Mensch sich sehr viel unglücklicher als heutzutage“ (Hirschfeld 1986: 8). Auf diese Weise äußerte sich der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (1868–1935), um das fünfundzwanzigste Jubiläum des von ihm gegründeten wissenschaftlichhumanitären Komitees (1897) und mithin den „Kampf für die Rechte Entrechteter“ (ibid.: 7) zu feiern. Mit „damals“ bezog er sich auf die Zeiten, in denen Homosexualität verfolgt wurde.

In Homosexuelle in Deutschland. Eine politische Geschichte dokumentiert der Historiker Hans-Georg Stümke (1989: 7) die Art der Bestrafung der sogenannten „Sodomie“ – „‚die widernatürliche Vermengung des Fleisches‘ oder ‚die Sünde, die zum Himmel schreit‘ “ – seit dem Mittelalter. Menschen wurden ins Gefängnis oder in Arbeitslager gebracht, verprügelt, enthauptet, lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt, „durch Feuer oder durch Schwert“ umgebracht (ibid.: 7 f.), wenn sie diese ausübten. Die Art der Strafen änderte sich je nachdem, wer regierte: „Die herrschende Moral war die Moral der Herrschenden“ (ibid.: 8). Vor allem aber war es die christliche Kirche, die beurteilte, wie die Menschen ihre Sexualität ausleben durften: „Mit der Ausbreitung des Christentums und seiner Fortpflanzungsmoral erlosch in allen christianisierten Kulturen jede Form sexueller Toleranz“ (ebd.). So konnte zum Beispiel die ganze Menschheit mit negativen Konsequenzen rechnen, falls jemand sich traute, den christlichen Befehlen zu widersprechen: „Homosexuelle, so Kaiser Justinian (527–565), befänden sich in der Gewalt des Teufels, sie lästerten Gott, der deswegen Plagen über Gerechte und Ungerechte gleichermaßen ausgieße und...

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