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Kleine Texte

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Edited By Steffen Pappert and Kersten Sven Roth

Kleine Texte sind meist multimodale Erscheinungsformen, die in vielerlei Hinsicht unsere Alltagserwartungen an das, was Texte sind und sein können, in Frage stellen. In unserem kommunikativen Alltag sind wir umzingelt von zahllosen Kommunikaten, denen wir uns kaum entziehen können. Trotz dieser Allgegenwart sind linguistische Untersuchungen zum Thema «Kleine Texte» immer noch rar gesät. Diese Kluft zwischen alltäglicher Relevanz und textlinguistischem (Des-)Interesse soll der vorliegende Band verringern. Die im Band versammelten Beiträge zeigen zum einen verschiedene Zugriffsmöglichkeiten auf den Gegenstand Kleine Texte und seine begriffliche Eingrenzung. Das Spektrum der Beiträge reicht dabei zum anderen von theoretisch-begrifflichen über empirische bis hin zu dezidiert angewandten Arbeiten.

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Tabugrenzen im öffentlichen Raum

Kristin Kuck

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gekennzeichnet werden und der Annahme, dass die Texte im öffentlichen Raum ←228 | 229→zu einem erheblichen Teil kleine Texte sind, folgt daher, dass Tabus im öffentlichen Raum sinnvollerweise unter Berücksichtigung der pragmatischen Bedingungen kleiner Texte zu betrachten sind. Zunächst wird der Tabubegriff erläutert, der der Analyse zugrunde liegt. Dann wird der Begriff der kleinen Texte im öffentlichen Raum umrissen und dargelegt, welche Bedingungen für die Tabukommunikation in diesem Fall herrschen. Daraufhin wird in einem dritten Teil empirisch ein Straßenzug in Düsseldorf, in dem sich Geschäfte der Erotikbranche konzentrieren, auf zeichenhafte Ausprägungen des vorgestellten Tabubegriffs untersucht und im Anschluss der Umgang mit dem Zwang zur Kürze mit den Praktiken der Tabukommunikation betrachtet.

Um die Spuren der Tabuisierung im öffentlichen Raum finden zu können, wird zunächst der Tabubegriff in Bezug auf Struktur und Funktion erläutert. Eine scharfe Definition für Tabus ist allerdings nicht möglich. Außerdem sind Tabus als Sagbarkeits-, Zeigbarkeits- und Machbarkeitsgrenze nicht klar von Nicht-Tabus abgrenzbar, also von Unsagbar-, Unzeigbar- und Unmachbarkeiten, die nicht auf Tabuisierung zurückzuführen sind. So gibt es verschiedene Grade und Ausprägungen von Tabus. Die wesentlichen Merkmale sind jedoch im Laufe einer ausgiebigen kultur- und geisteswissenschaftlichen Forschung erfasst worden (vgl. die Darstellungen z.B. in Kraft 2004; Benthien/Gutjahr 2008; Braun 2007).

Der Begriff Tabu entstammt der polynesischen Tonga-Sprache und -Kultur, die von James Cook Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben wurde. Auch die austronesischen Völker kannten damals...

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