Show Less
Restricted access

Kunst und Wissenschaft der Komödienübersetzung

Reflexionen – Beispiele – Erfahrungen

Rainer Kohlmayer

Das Buch ist das erste Werkstattseminar zu Theorie und Praxis des Dramenübersetzens. Es bietet zunächst einen kritischen Überblick über das Feld der literarischen Übersetzung und behandelt dann Einzelprobleme am Beispiel von Corneille, Molière und Labiche, u.a. das Deutsche als Übersetzungssprache, die Figurensprache, die Empathie, die Aktualisierung, das Lachtheater Labiches. Enthalten ist auch ein Erfahrungsbericht über den Weg vom Text zur Inszenierung (u.a. von Tartuffe und Bunbury). Alle Beispiele stammen aus der Praxis des Verfassers. Der Band schließt mit Stellungnahmen Jürgen von Stackelbergs zu den Übersetzungen Rainer Kohlmayers und einem Interview mit dem Verfasser. Ein Buch für die Übersetzungs- und Theaterpraxis.

Show Summary Details
Restricted access

3. Kapitel Die übersetzerische Empathie. Vom Vergnügen, Molières Frauen Deutsch sprechen zu hören

Extract

Vorbemerkung

Die Hybridität des Literaturübersetzens als „ars“, als Doppelbindung an Wissenschaft und Kunst, wird in diesem Kapitel thematisiert. Während wissenschaftliche Argumentation und Reflexion metasprachlich – als ‚Sprechen über‘ – formuliert und abstrahiert werden können, lassen sich Kunstprodukte, zu denen literarische Übersetzungen nun einmal gehören, nur im Sich-Hinein-Versenken, im ästhetisch- empathischen Nachvollzug erschließen. Kunst muss erlebt, gefühlt, erfahren werden. Die relativ langen Zitate aus meinen Dramenübersetzungen in diesem Kapitel (und im Buch) sind durch den Evidenzcharakter, den Kunstwerke besitzen, gerechtfertigt. Es sind Indizienbeweise für die von mir vertretene Übersetzungstheorie und Aufforderungen zum Nachvollzug. Die ‚Zur-Schau-Stellung‘ meiner eigenen Übersetzungsbeispiele scheint mir methodisch durch die Rhetorik-Lehrer Aristoteles und Quintilian gerechtfertigt zu sein, die die Methode der Nachahmung schätzten, weil Vorbilder – bzw. die Nachahmung der Vorbilder – geradezu befreiend auf die eigene Schaffenskraft einwirken können (vgl. Kohlmayer 2003: 421–425). Die Lektüre entfaltet aber nur dann ihr ‚evidentielles‘ didaktisches Potential, wenn die LeserInnen zur „geistigen Mimik“ (Novalis 1976: 115) der Nachahmung fähig und bereit sind. Die LeserInnen können folglich an den vorgeschlagenen Beispielen ihr eigenes geistig- mimisches Potential selbst testen und dabei womöglich ihre eigene Stimme finden, durch Nachahmung oder Widerspruch.

Ich befasse mich in diesem Kapitel nicht mit dem Prozess und den Problemen des Übersetzens, sondern ich stelle nur meine Übersetzungsresultate vor und erläutere reflektierend meine übersetzerische Interpretation bzw. meine ‚mentale Inszenierung‘, das Resultat meiner „geistigen Mimik“, wie Novalis das nennt. Ich lasse die Figuren Moli...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.