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Kunst und Wissenschaft der Komödienübersetzung

Reflexionen – Beispiele – Erfahrungen

Rainer Kohlmayer

Das Buch ist das erste Werkstattseminar zu Theorie und Praxis des Dramenübersetzens. Es bietet zunächst einen kritischen Überblick über das Feld der literarischen Übersetzung und behandelt dann Einzelprobleme am Beispiel von Corneille, Molière und Labiche, u.a. das Deutsche als Übersetzungssprache, die Figurensprache, die Empathie, die Aktualisierung, das Lachtheater Labiches. Enthalten ist auch ein Erfahrungsbericht über den Weg vom Text zur Inszenierung (u.a. von Tartuffe und Bunbury). Alle Beispiele stammen aus der Praxis des Verfassers. Der Band schließt mit Stellungnahmen Jürgen von Stackelbergs zu den Übersetzungen Rainer Kohlmayers und einem Interview mit dem Verfasser. Ein Buch für die Übersetzungs- und Theaterpraxis.

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5. Kapitel Labiches serielles Lachtheater. Werkstattnotizen des Übersetzers

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Vorbemerkung

Eugène Labiche (1815–1888) schrieb zwischen 1838 und 1878 die unglaubliche Menge von 170 Theaterstücken (Pronko 1994: 580–584), was nur möglich war, weil er mehrere begabte Mitarbeiter hatte. Das Erstaunliche an diesem Kontinent von komischen Stücken ist, dass sie heute noch wie damals zünden. Ich habe in den letzten Jahren zwar nur die zehnbändige Ausgabe von 1881, die etwa ein Drittel seiner Stücke enthält, durchgelesen und daraus nur 10 Einakter übersetzt (und zum Teil mit meiner Studententruppe inszeniert), aber ich stimme jedem Wort Pronkos zu, der behauptet,

„the newfound popularity of Labiche, whose plays are rarely absent from the Paris stage, seems to indicate that we are still ready to see these situations and people who are, in so many ways, like ourselves. Whereas the ‚serious‘ authors of the second half of the 19th century now seem sadly dated, Labiche is as fresh today as he was a century ago“ (Pronko 1994: 585; Hervorhebung R.K.).

Labiches Stücke wurden meistens in Molières Theater, dem Théâtre du Palais Royal, aus der Taufe gehoben und gehören zum Teil auch heute noch zum Repertoire der Comédie française, die ebendort zu Hause ist. Einige wenige Stücke sind ins Deutsche übersetzt worden, zum Teil mehrfach. Sein berühmtestes Stück, Un chapeau de paille d’Italie, wurde sogar mehrmals verfilmt.46 Offensichtlich sind hier Dutzende von theatralen Leckerbissen vorhanden, die noch nie zuvor ins Deutsche...

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