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Kunst und Wissenschaft der Komödienübersetzung

Reflexionen – Beispiele – Erfahrungen

Rainer Kohlmayer

Das Buch ist das erste Werkstattseminar zu Theorie und Praxis des Dramenübersetzens. Es bietet zunächst einen kritischen Überblick über das Feld der literarischen Übersetzung und behandelt dann Einzelprobleme am Beispiel von Corneille, Molière und Labiche, u.a. das Deutsche als Übersetzungssprache, die Figurensprache, die Empathie, die Aktualisierung, das Lachtheater Labiches. Enthalten ist auch ein Erfahrungsbericht über den Weg vom Text zur Inszenierung (u.a. von Tartuffe und Bunbury). Alle Beispiele stammen aus der Praxis des Verfassers. Der Band schließt mit Stellungnahmen Jürgen von Stackelbergs zu den Übersetzungen Rainer Kohlmayers und einem Interview mit dem Verfasser. Ein Buch für die Übersetzungs- und Theaterpraxis.

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6. Kapitel Vom Kopftheater auf die Bühne. Der Übersetzer als Zuschauer

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Berichte erfolgreicher Literaturübersetzer über ihre Arbeit sind selten und wurden bisher weder systematisch gesammelt noch theoretisch ausgewertet.55 Aber noch weitaus seltener sind Berichte von Übersetzern über das, was ihren fertigen Übersetzungen auf dem Buchmarkt oder auf den Theaterbühnen widerfährt. Berichte über Erfolge oder Misserfolge sind Mangelware, was nicht nur den Mythos der Unsichtbarkeit der Übersetzer fördert, sondern auch translationswissenschaftlichen Spekulationen Tür und Tor öffnet. So liest man zwar immer wieder Mahnungen über die Notwendigkeit, ‚das Zielpublikum‘ zu berücksichtigen, aber ich kenne bisher keinen einzigen Aufsatz, der die tatsächliche Rezeption bei diesem angepeilten Zielpublikum überprüft hätte. In den interpretativen Geisteswissenschaften gelten empirische Überprüfungen oder gar Falsifikationstests nicht viel; begriffliche oder thematische Innovationen zählen mehr, vor allem, wenn sie mit einem neuen „turn“ einhergehen, der gerne als Paradigmenwechsel firmiert. Paradigmata sind institutionell fundierte Logotope, die eine Zeitlang ihre eigene Logik und Sprache reproduzieren und gerne auf Kritik von ‚außerhalb‘ der eigenen Paradigmen-Blase verzichten (vgl. Kohlmayer 2018: 14f.).

Im Fall der Literaturübersetzung kann man kaum eine wissenschaftlich überprüfbare Rezeptionsvoraussage wagen, weil einfach zu viele Imponderabilien mitspielen:

– Die Qualität des Originals,

– das Können der ÜbersetzerInnen,

– ihre Reputation oder Vernetzung,

– die Marktlage (im Sinne von Modethemen und Leserstimmungen),

– die Macht der Verlage,

– die Art und Qualität der Werbung,

– die Reaktionen der Kritik

und anderes mehr lassen sich schwer messen oder...

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