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Homosexualität in der Holocaustliteratur

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Angelika Niere

Wer stellt Homosexualität innerhalb der Holocaustliteratur wann dar? Welche literarischen Strategien kommen zum Einsatz, wenn die Autoren und Autorinnen Homosexualität in ihren Texten ausgestalten, und welche Funktion erfüllen diese Darstellungen? Die Bearbeitung dieser Fragen ist nicht nur als Grundlagenbeitrag zu Gay Studies und Holocaustliteraturforschung von Interesse. Homosexualität wird auch im Schreiben über den Holocaust von Autorinnen und Autoren jeglicher Couleur ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung inszeniert. Diese Publikation untersucht, welche narrativen Funktionen diese häufig kurzen, doch zahlreichen Erwähnungen erfüllen und welche Einblicke in die Prozesse der Textentstehung und -wirkung dadurch ermöglicht werden.

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II. Theoretische Grundüberlegungen

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Diese Arbeit nimmt sich das Verständnis von Holocaustliteratur zur Grundlage, das James E. Young im Rahmen seiner Untersuchung Beschreiben des Holocaust (Young 1992) entwickelt hat. Young geht davon aus, „daß man die Darstellungen des Holocaust und die Ereignisse des Holocaust nicht losgelöst voneinander interpretieren kann“ (Young 1992, 13)6, denn wenn Nachgeborene und Außenstehende sich einen Begriff von den Ereignissen machen wollen, sind sie dabei auf die Selbstzeugnisse der Überlebenden, erfundene Darstellungen der Ereignisse, Gedenkstätten, den wissenschaftlichen Diskurs etc. angewiesen. Und was wie überliefert wird, hängt Youngs Verständnis zufolge jederzeit davon ab, in welchem Rahmen es präsentiert wird, an wen die Darstellung sich richtet und wer spricht, denn

wie der Begriff, den sich Mörder und Opfer von den Ereignissen gemacht haben, ihr Handeln beeinflußt hat, so ergeben sich meines Erachtens unsere Reaktionen auf die uns umgebende Welt ganz unmittelbar aus unserem Verständnis der Ereignisse und aus der Art und Weise, wie wir diese erinnern. (ebd, 8)

Tatsächlich setzt bereits die den Autoren zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einem bestimmten Kulturkreis zur Verfügung stehende Sprache der Darstellung Grenzen. Nicht die Ereignisse an sich, sondern lediglich ihre Darstellungen in Sprache, Kultur und Literatur sind einem Leser daher zugänglich. Eine Brücke zu den „wahren“ Ereignissen kann nicht geschlagen werden; es kann und darf nach Young nicht Ziel einer Holocaustforschung sein, in den diversen Darstellungen des Holocaust nach einer vermeintlichen „Wahrheit“ zu suchen. Er zitiert...

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