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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Zweites Kapitel: Die monotheistische Debatte in der Kultur- und Religionswissenschaft

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In den letzten Zeiten wurde immer häufiger darauf hingewiesen, dass das Monotheismus-Polytheismus-Schema inadäquat ist, um das damit gemeinte religiöse Phänomen zu beschreiben (G. Ahn, 2003, F. Stolz, 1996, B. Gladigow, 2005 S. 161–170). Die Betrachtung des Religiösen ging bis zum 20. Jh. von der Perspektive des christlich-monotheistischen Gottesbildes aus, d.h. vom damaligen europäischen Bewusstsein, das eine Art von Kolonisierung durchführte, wonach Kultur im Allgemeinen und Religion im Besonderen am europäisch-christlichen Modell gemessen wurden.34

Dieses Modell aber entstand aus einem besonderen Moment der geistig-kulturellen Geschichte Europas.

Obwohl der Terminus ‚Polytheismus‘ auf Philon von Alexandrien zurückzuführen ist (Philon 1, 609; 1, 41), der ihn „als polemischen Begriff für Religionen, in der eine Mehrzahl von Göttern kultisch verehrt wird“, verwendet hat (B. Gladigow, 2005 S. 125) und obwohl das Thema Polytheismus/Monotheismus schon bei Hume angedeutet wurde, hat die heutige Monotheismus/Polytheismus-Debatte im geistigen Klima der Aufklärung ihren Ursprung, und ist folglich von dieser geprägt. Die Aufklärung stellt den Gipfel eines Prozesses der Eliminierung des Mythischen und die Behauptung der Vernunft als einziges Kriterium der Wahrheit dar.

Der Eliminierungsprozess des Mythischen, der schon mit der griechischen Philosophie begonnen hatte (H. Poser, 1979 S. 140), wurde vom Christentum zu radikalen Konsequenzen gezwungen, aber mit einem ganz anderen Argumentationsgang. Mit dem Christentum wurden die Mythen (und das ‚Mythische‘), die als ‚falsch‘ bezeichnet wurden, durch die Wahrheit der Offenbarung ersetzt. Für Jahrhunderte hat die geistige...

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