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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Sechstes Kapitel: Monotheismus in jüdischer Sicht aufgrund von ‚Religion der Vernunft‘ Cohens

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Das Judentum ist eine sehr komplexe Realität und schwierig, mit gewöhnlichen westlichen Kategorien zu erfassen. Dennoch, wie C. Thoma bemerkt, wird als „geläufigste, umfassende und kürzeste Selbstbezeichnung… der Begriff ‚Israel‘ verwendet.“ (C. Thoma, 1978 S. 247 §203 vgl. Janowski, Bernd./Köckert, Matthias, 1999)

Die Komplexität wird dadurch ersichtlich, wenn man bedenkt, dass mit diesem Begriff sowohl personale wie religiös-gemeinschaftliche und gesellschaftlich-politische Zusammenhänge bezeichnet werden. (vgl. C. Toma, ebd.) Die drei ineinander verstrickten Aspekte machen die Komplexität aus.

Unter den verschiedenen Hinsichten ist es wichtig, für die Diskussion des vorgelegten Themas das Judentum als „geschichtsverbundene Realität“ zu sehen. „Das Judentum, sagt C. Thoma, lebt in der Geschichte und von der Geschichte…Es ist Inhalt einer Erzählung“ (ebd. S. 252 § 210, Hervorhebung vom Autor).179 Erzählung, in welcher die Reflexion über die Begegnung des Menschen mit Gott, der im geschichtlichen Geschehen seine Anwesenheit kenntlich macht, das Hauptmoment ist.

In diesem Sinne hat das Judentum sich mit der vorgegebenen Realität, in ihrer ganzen Vielfältigkeit, in Dialog und Auseinandersetzung gesetzt, und es musste es tun, begleitet und geführt von einen einzigen Licht-Leitung: Die Thora.

Mit der Festlegung und Anerkennung der Thora als einziges Prinzip geht aber die geistige Einheitlichkeit der Juden zu Ende. Erst dann bei der Interpretation werden alle Unterschiede und Differenzierungen, selbst über die Thora, zum Ausdruck kommen.

Innerhalb von den vielen Hinsichten, Strömungen und Pers...

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