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Von Gott Vater zum Gott der Väter – Der jüdische Mythos als Paradigma der Dynamik des Selbst (C.G. Jung)

Tiefenpsychologische Hermeneutik der monotheistischen Idee

Lucio Carraro

Jede Rede über das Wesen Gottes ist Mythologie. Gott lässt sich nur durch seine Handlungen erkennen und nur in Korrelation mit dem Menschen. Die Tiefenpsychologie arbeitet mit den gleichen Ansätzen: Die Handlungen des Menschen zu befreien/erlösen, um sie zur vollen Bewusstheit/Heiligkeit kommen zu lassen. Das Ziel ist ‹Fortschritt in die Geistigkeit› (Freud) und Weg zur Entwicklung des geistigen Instinkts, Entwicklung zum Selbst. (Jung)

Ungeklärt bleibt «…mit welchem geistigen Impuls die fragliche geistige Bewegung ihren Anfang nimmt, so dass sie in diesem Impuls ihren Ursprung zu erkennen hätte.» (H. Cohen) Die Tiefenpsychologie arbeitet wesentlich mit der Negation als Privation: Jedes bewusste Etwas wird von Nicht-Bewusstem in Frage gestellt, um eine neue Bewusstheit zu erzeugen.

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Schlusswort und Ausblicke

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Das Reden von Gott gehört zur menschlichen Kultur überhaupt. Es geht im Gleichschritt mit der kulturellen Entwicklung. Weltlich geht es um die Frage nach der Transzendenz.

Nicht nach einer erlernten, sondern nach der erlebten, erfahrenen Transzendenz.

Es ist auch nicht nur die psychologische Transzendenz, die man beim Übersteigen seiner eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten erlebt, sondern auch die Transzendenz, die mit jener eng verbunden ist: Des Menschen ‚Betroffenheit von Transzendenz‘ (Lévinas). Es geht um die Erfahrung des Transzendenten.

Mit diesem Thema hat sich die europäische Kultur ganz besonders beschäftigt. Obwohl keine der großen Religionen ihre Entstehung in Europa sah, ist Europa die Bühne der vielseitigen, vielfältigen und tieferen Erarbeitung des Themas: Theoretisch in philosophisch-theologischen Betrachtungen, wie auch praktisch, in religiösen Bewegungen innerhalb der großen Religionen, aber auch und besonders in den ‚Häresien‘. Ferner ist dies der Boden, wo eine ‚kulturelle Kompetenz‘ sich entwickeln konnte, nämlich „die Fähigkeit, als Person mit den verschiedenen Teilbereichen von Kultur umgehen und sie mit den bereitstehenden Sinnangeboten verbinden zu können“ (B. Gladigow, 205 S. 300). Davon ausgehend bedeutet diese Kompetenz den ‚Zwang zur Häresie‘ (ebd.).400

Wenn doch im XX. Jahrhundert, wie B. Casper bemerkt (in: E. Lévinas 1985 S. 7), die Frage nach der Transzendenz zu einer marginalen Frage geworden zu sein scheint, ist sie in Wirklichkeit stets gegenwärtig geblieben. Obwohl das Denken vordergründig gesehen in der Besch...

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