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Begehren, Angst – und nüchterne Vernunft: Epikureische Psychologie und Ethik nach griechisch-römischen Texten

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Christoff Neumeister

Ausgewählte Passagen aus Texten griechischer und römischer Autoren führen die Grundgedanken der epikureischen Psychologie und Ethik vor. Deren zentrale Themen waren zum einen die verschiedenen Formen menschlichen Begehrens einschließlich des Sexuellen, zum anderen rationale und irrationale Ängste sowie der vernünftige Umgang mit ihnen. In diesem Zusammenhang entstand auch eine eigene Theorie der Wahrnehmung und Begriffsbildung, des Erkennens und des Handelns. Außerdem entstand eine detaillierte Rekonstruktion der Entwicklung, die die Menschheit in sozialer und technischer Hinsicht durchlaufen haben könnte. Dabei wurde der Herausbildung der menschlichen Sprachfähigkeit eine besonders wichtige Rolle zugewiesen. Das Buch möchte den Systemcharakter dieser Philosophie deutlich machen, soll aber auch der nichtfachlichen Leserschaft durch Neuübersetzungen einen Eindruck von der hohen literarischen Qualität der zum großen Teil dichterischen Quellentexte vermitteln.
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4. Begehren, Lust und Glück

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Nachdem wir die Personen kennengelernt haben, die für die Entwicklung des Epikureismus bis ins erste Jahrhundert vor Christus wichtig waren bzw. durch die wir Kenntnis von ihm haben – neben Epikur selbst Cicero als kritischen Beobachter, dann Philodem und Lukrez, und, insofern in seinen Gedichten u.a. auch epikureische Themen zum Ausdruck kommen, Horaz –, wollen wir uns nun der Lehre selbst zuwenden.

Ausgehen wollen wir von dem dritten der drei vollständig erhaltenen Briefe Epikurs, dem Brief an Menoikeus.1 Epikur gibt hier vor, noch einmal knapp zusammenzufassen, was er seinem Adressaten Menoikeus schon öfters vorgetragen habe. In Wirklichkeit ist die Schrift jedoch kein echter, ausschließlich an eine bestimmte Person gerichteter Brief, sondern ein Lehrbrief, für eine allgemeine Leserschaft bestimmt, mit protreptischer und apologetischer Zielsetzung, d.h. er soll für die epikureische Lehre werben und dabei zugleich auch Missverständnisse korrigieren, denen sie immer wieder ausgesetzt ist.2 Deshalb hat sich Epikur hier bemüht, nicht durch eine allzu streng terminologisierte Sprache abzuschrecken3 oder durch pedantische Gründlichkeit zu langweilen, und er hat diesen Brief im Unterschied zu den beiden anderen erhaltenen auch stilistisch einigermaßen sorgfältig ausgearbeitet, wenn auch mit einem hin und wieder eher fragwürdigen Erfolg: Da findet sich, besonders in den Abschnitten über den Tod und über die Lebensweise des Weisen, viel antithetisches Wortgeklingel.

Epikur erklärt in dem Brief zunächst einmal ganz allgemein, ohne ausdrückliche Ausrichtung auf den Adressaten, dass es für jeden, jung wie alt gleichermaßen,...

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