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Psalm Salomo 14

Text, Tradition und Komposition einer frühjüdischen Dichtung

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Sven Behnke

Die Psalmen Salomos (PsSal) zählen zu den wichtigsten Zeugen jüdischer Literatur und Theologie des ersten Jahrhunderts v. Chr. Die Studie zeichnet die Forschungsgeschichte dieser nicht kanonisch gewordenen Sammlung nach und skizziert deren Gesamtkomposition. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine traditions- und kompositionsgeschichtliche Analyse der Lehrdichtung PsSal 14. In weisheitlicher Manier kontrastiert PsSal 14 Lebenswandel und Schicksal von Frommen und Sündern und nimmt dabei Ps 1 im Licht weiterer biblischer Traditionen und Motive interpretierend auf. PsSal 14 erweist sich als ein frühes Beispiel der literarischen Rezeption von Ps 1, das ebenso traditionsgebunden wie innovativ ist und ein klares theologisches Programm besitzt.

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2. Der Text von Psalm Salomo 14 und seine Überlieferung

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„Der Erklärer der Psalmen Salomos befindet sich bekanntlich in der ungünstigen Lage, vor Beginn seiner eigentlichen Arbeit erst einmal die Frage nach dem Text stellen zu müssen, den er erklären soll.“296

Die literarische Analyse von PsSal 14 setzt als Grundlage einen gesicherten Textbestand voraus. Doch wie sieht dieser aus? Legt man die nahezu unbestrittene Mehrheitsmeinung der exegetischen Forschung zu Grunde, dass die Abfassung der Psalmen Salomos im Verlauf des 1. Jahrhunderts v. Chr. erfolgt sei,297 so ist ernüchternd festzustellen, dass zwischen vermuteter Abfassungszeit und den ältesten Zeugen für den Gesamttext der Psalmensammlung aus dem 10. Jahrhundert etwa ein Jahrtausend liegt.

Vor dem Hintergrund dieses Befundes scheint es illusionär, Textkritik mit dem Ziel zu betreiben, einen ‚Urtext‘ ermitteln zu können, dessen Gestalt der ursprünglichen Textform der Psalmen Salomos entspricht. Den Text der Psalmen Salomos gibt es nicht, vielmehr sieht sich die Forschung einer Reihe handschriftlicher Kodizes aus dem Mittelalter und neuzeitlicher Textausgaben gegenübergestellt, die auf je ihre Weise den einen Text der Psalmen Salomos in unterschiedlichen Lesarten wiedergeben.

Dabei variieren die einzelnen Textzeugen nicht nur im Hinblick auf den Inhalt des Textmaterials, sondern auch hinsichtlich dessen Anordnung, d.h. der Textorganisation.

In diesem Kapitel soll ersten Spuren der „Psalmen Salomos“ genannten Gebetssammlung in antiken und mittelalterlichen Kanonlisten (vgl. Kap. 2.1) nachgegangen und ihr Verhältnis zur Septuaginta (vgl. Kap. 2.2) geklärt werden. Es sollen die mehrheitlich in griechischer, daneben aber auch...

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