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Die Flugschriften der Frühreformation aus Nord- und Nordwestböhmen

Ihr Wesen und ihr Bezug zu Wittenberg

Jiří Černý

Die Produktion von deutschen Flugschriften erreichte in den 1520er Jahren auch in Nord- und Nordwestböhmen ihren Höhepunkt. Die Druckwerke der dortigen evangelischen Elite zeigen, wie diese sich an der öffentlichen Debatte um das Gemeinwohl beteiligte, zugleich aber regionale Streitfragen ins Spiel brachte. Das Buch klärt die Entstehungszusammenhänge und Besonderheiten einzelner Druckschriften und beschäftigt sich mit den literarischen und medialen Strategien, die für diese Werke prägend waren und die zum Teil von der zeitgleichen Produktion in Wittenberg abhingen. Es werden Selbstzuschreibungen und Fremdwahrnehmungen untersucht, über die sich die Identität der evangelisierten Gemeinden und ihrer Sprecher konstituierte. Des Weiteren fragt der Autor nach der Funktion dieser Schriften.

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4 Bensen und Tetschen

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Das Geschlecht von Salhausen gehörte zum alten sächsischen Adel, auch wenn Abraham Hossmanns legendenhafte Genealogie aus dem 17. Jahrhundert die Ursprünge des Hauses sogar im Italien des 8. Jahrhunderts suchte.728 Am Anfang des 16. Jahrhunderts besaßen die Herren ziemlich umfangreiche Ländereien in der Markgrafschaft Meißen. Neben dem gleichnamigen Familiensitz befand sich die Burg Wehlen darunter, welche der Meißner Familienlinie bis zum Jahr 1659 gehörte.729 Zu den bekanntesten Vertretern des Geschlechts gehörte Johann VI. von Salhausen, in den Jahren 1488–1518 Bischof von Meißen. Abraham Hossmann kannte diesen Widersacher der lutherischen Lehre sehr gut, er stilisierte ihn aber zugleich zu einem Propheten der Taten Martin Luthers.730 Von Johanns Bruder Georg wusste er allerdings nicht mehr zu berichten, als dass er drei Söhne Hans (Johann), Wolf und Friedrich hatte. Die Gebrüder hätten laut seinen Ausführungen

im Koͤnigreich Boͤhmen ansehnliche Herrschafften und Guͤter gekaufft/ als die Herrschafften Tetschen/ Scharffenstein und Wuͤntzsen/ Kemnitz/ Sande/ Schwaden/ und andere; hielten sich herrlich/ dieneten dem Roͤmischen Kaͤyser Maximiliano I. mit viel Pferden und Knechten/ wider seine Feinde; Derwegen seine Kaͤyserliche Majestaͤt/ sie alle drey/ Kaͤyserlich und hoch begabet/ und Barones sacri Romani Imperii; das ist/ deß heiligen Roͤmischen Reichs Freyherren gemacht.731

Das Datum des Erwerbs der Ländereien in Böhmen gibt die „Chronik von Bensen“ von Pastor Johann Schlegel an, eine Quelle aus dem dritten Viertel des 16....

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