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Konstruktion von Professionalität in der EU-Politikvermittlung

Eine qualitative Studie zu EU-Professionals in Deutschland

Lucia-Melanie Leopold

Um EU-Politik innerhalb Deutschlands zu vermitteln, haben sich EU-Professionals in Think Tanks, Stiftungen, Vereinen und Agenturen herausgebildet. Wie sie professionelle Zuständigkeit und Deutungsmacht im politischen Kontext deklarieren und legitimieren, ist Gegenstand der vorliegenden Studie. Die Konstruktion von Professionalität wird mittels Dokumentenanalysen, Experteninterviews sowie berufsbiographischen problemzentrierten Interviews untersucht. Im Gegensatz zu klassischen Professionen wird eine „professionelle“ Tätigkeit, Expertise, Vernetzung und berufliche Haltung stärker durch informelle und individuelle Ressourcen begründet. Die Studie liefert detaillierte empirische Einblicke in einen neu entstehenden und umstrittenen Tätigkeitsbereich.

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1 Einleitung

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„Die unvollendete Union: Eigentlich müsste der Mehrwert der EU jedem einleuchten. Und doch könnte die Beteiligung an der Europawahl wieder sinken. Ändern ließe sich das wohl nur, wenn die EU zu einer ‚echten‘ Demokratie würde.“ (Essay zur Europawahl von Thomas Kirchner in der Süddeutschen Zeitung, erschienen im Mai 2019)

Es wird in öffentlichen sowie politik- und sozialwissenschaftlichen Debatten argumentiert, dass eine mangelnde Vermittlung von EU-Politik an nationale Akteure ein Grundproblem der EU-Politik darstellt. Dabei wird auf eine Kluft zwischen der Europäischen Union (EU) und Machteliten auf europäischer Ebene auf der einen Seite und Bürger*innen sowie nationalen und lokalen Akteuren auf der anderen Seite verwiesen (Münch 2008; Bach 2008; Georgakakis und Rowell 2013; Haller 2009; Hennette-Vauchez 2017). EU-kritische Bewegungen und Parteien stellen die europäischen Institutionen als abgehobenes Elitenprojekt und undurchsichtiges sowie undemokratisches Verwaltungsgebilde dar. Auch Mitarbeitende in nationale Politikeinrichtungen, Regionen, Unternehmen und Vereine beklagen diese Komplexität, die nicht zuletzt durch die vielzähligen Anglizismen des „EU-Sprechs“ befördert wird (Büttner et al. 2018; Vauchez und Witte 2013). In Großbritannien hat dies gar zum EU-Austritt geführt, wobei immer noch unklar ist, wie dieser umgesetzt werden soll.

Heutzutage sind die meisten Politikbereiche von EU-Regelungen betroffen und können nicht unabhängig von EU-Politik betrachtet werden. EU-Expertise wird in vielen Branchen und Bereichen nachgefragt, einerseits um Politikprozesse auf EU-Ebene zu beeinflussen (Lobbying) und andererseits, um EU-Regelungen hinsichtlich ihrer Anwendung und Umsetzung im konkreten...

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