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Die Entdeckung der Landschaft in der italienischen Literatur an der Schwelle zur Moderne

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Birgit Ulmer

Wann beginnt in der italienischen Narrativik die Darstellung einer ästhetischen Erfahrung von Natur als Landschaft? Zunächst gilt es, den Begriff der literarischen Landschaft zu umreißen, der nur auf den ersten Blick unproblematisch erscheint. In der Analyse zentraler Texte der Renaissance und des Barock erweist sich die rhetorische Tradition als dominierendes Element der Darstellung von Natur. Die Entwicklungen des 18. Jahrhunderts führen schließlich zu Foscolos Briefroman Ultime lettere di Jacopo Ortis, der im Zentrum der Untersuchung steht. Er ist als Schwellentext zu charakterisieren und verweist in einigen Elementen der Naturdarstellung auf moderne ästhetische Konzeptionen. Diese werden in einem perspektivischen Ausblick auf nachromantische Landschaften weiterverfolgt.

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6. Schlussbemerkung 245

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245 6. Schlussbemerkung Die Darstellung von Natur behält in jeder Epoche ihre ganz eigene Aktualität, wenngleich sie je nach primärer Ausrichtung der jeweiligen literarischen Ten- denzen und ästhetischen Anschauungen unterschiedliche Ausprägungen erfährt und nicht immer im Zentrum des Interesses steht. Bei den Naturschilderungen in Polizianos Stanze per la giostra etwa handelt es sich um idealisierte und synthetische Landschaften, deren signifikante Neue- rungen vor allem im sprachlich-rhetorischen Bereich liegen und somit keine grundlegende Weiterentwicklung überkommener Strukturen darstellen. In Mari- nos Poetik wiederum, die primär wirkungsästhetisch ausgerichtet und bestrebt ist, durch eine kühne Metaphorik Staunen und Verwunderung ("meraviglia") hervorzurufen, wird der Kunst die Überlegenheit über die Natur eingeräumt, was endgültig zu einer Umkehrung des traditionellen Mimesis-Begriffs führt, die sich zuvor bereits abgezeichnet hat. Doch daraus ergibt sich ebenfalls noch kei- ne grundlegend neue Konzeption von literarischer Naturdarstellung, auch bei den Schilderungen in L'Adone handelt es sich vorwiegend um sprachlich- stilistische Erweiterungen, die den topischen Elementen der Tradition verhaftet bleiben. Es geht um die Erstellung eines möglichst umfassenden Inventars, um die allegorische Darstellung von Momentaufnahmen, deren Form zum Selbst- zweck wird. In der italienischen Narrativik bleibt die Darstellung der Natur mit- hin bis weit ins 18. Jahrhundert hinein den topischen Motiven und Funktionali- sierungen der antiken rhetorischen Tradition verpflichtet. Die Veränderungen und durchaus vorhandenen innovativen Aspekte der Texte bewegen sich stets innerhalb dieses Rahmens, so dass nicht von literarischer Landschaft im engeren Sinne gesprochen werden kann. Die Persistenz der traditionellen...

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