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Selbst- und Fremdbilder von Arbeitslosigkeit

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Mareike Baumann

Tagtäglich müssen Millionen von Menschen mit den Folgen des Verlustes ihrer Arbeit umgehen. Dabei können zum einen die mit einer Arbeit verbundenen psychischen, sozialen und ökonomischen Funktionen verloren gehen. Daneben sind die Betroffenen oftmals gesellschaftlichen Vorurteilen und stereotypen Annahmen ausgesetzt. Zentraler Gegenstand der Untersuchung sind daher zwei Perspektiven sowie deren mögliche Divergenz oder Affinität: Auf der einen Seite stehen die Fremdbilder derjenigen Personen, die nicht von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber bewusst oder unbewusst zu Vermutungen und Überzeugungen gelangen, wie es Arbeitslosen geht oder warum sie arbeitslos geworden sind. Auf der anderen Seite stehen die Selbstbilder der arbeitslosen Menschen. Sie bringen zum Ausdruck, warum Arbeitslose ihre Arbeit verloren haben, wie sie diesen Verlust erleben, welche Erfahrungen sie mit ihrer sozialen Umwelt machen und was sie tun, um wieder eine Arbeitsstelle zu finden. Die Autorin geht der Frage nach, ob und wie die beiden Wahrnehmungsmuster aufeinander bezogen sind und wo möglicherweise Stereotype und Vorurteile vorliegen.

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5 Fremdbilder von Arbeitslosigkeit 125

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125 5 Fremdbilder von Arbeitslosigkeit „Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein ökonomisches Problem, dies ist eine gesellschaftspolitische Herausforderung allerersten Ranges, und sie geht jeden von uns an.“ Helmut Kohl (*1986), ehemaliger deutscher Bundeskanzler [19] Seit Beginn der Arbeitslosenforschung in den 1930er Jahren hat sich eine Vielzahl an Forschern mit dem Phänomen Arbeitslosigkeit beschäftigt. Sie untersuchten haupt- sächlich, wie Arbeitslose ihre Situation erleben und ob es Unterschiede zu den Men- schen gibt, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Das Selbstbild (siehe S. 20) der Ar- beitslosen stand damit im Mittelpunkt der Betrachtung. In weitaus geringerem Maße war bisher von Interesse, welche Vorstellungen, Er- klärungen und Meinungen – Fremdbilder (siehe S. 20) – „Dritte“ (Nicht-Betroffene) über Arbeitslosigkeit und Arbeitslose haben. In dieser Arbeit richtet sich der Blick- winkel auf den neuen Aspekt der Arbeitslosenforschung: Vorstellungen über Arbeits- losigkeit von Nicht-Arbeitslosen. Nach Kirchler (1993, S. 89) ist es notwendig, Fremdbilder von Laien mit einzube- ziehen, um zu untersuchen, warum bspw. für manche Personengruppen Arbeitslosig- keit ein härterer Schicksalsschlag ist als für andere oder warum manche für eine neue Arbeitsstelle Kompromisse eingehen müssen, die ihren bisherigen beruflichen Werde- gang in Frage stellen. Kirchler versteht unter Laien diejenigen Personen, die „das soziale Umfeld von Arbeitslosen ausmachen und Handlungsmöglichkeiten und Handlungen von Betroffe- nen bedingen“ (Kirchler 1993, S. 89). Für ihn (ebd., S. 89 f.) ist das „erweiterte“ Un- tersuchungsfeld aus folgendem Grund notwendig: „Je nachdem, wie Arbeitslosigkeit interpretiert wird und Arbeitslose gesehen werden […] nimmt die Gesellschaft und...

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