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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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5.3. Abgrenzung der wortbildenden und syntagmatischen Lehnprägung zur Übersetzung 34

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34 Abgrenzung der wortbildenden und syntagmatischen Lehnprägung zur Übersetzung 5.2. Entlehnungsrichtung der Lehnprägung Die durch die Direktionalität (Bellmann 1999: 274) angezeigte Entlehnungsrichtung drückt das kulturhistorische Ergebnis ethnodemographischer, und -psychologischer, axiologischer, verkehrsgeographischer, sprachpolitischer und denotatsspezifischer Ursachen aus. Der (zumindest bilinguale) Sprecher mit der Kompetenz L1 und L2 kann in Abhängigkeit von der Kodeauswahl potentiell aus L2 nach L1 calquieren (z.B. stammen aus der Lexik der Wiener tschechischen Minderheit světelné obrázky, světelné obrazy dt. Lichtbilder anstelle von č. diapozitivy, kulatá hala dt. Rund- halle anstelle von č. rotunda, kruhová hala, školní práce dt. Schularbeit anstelle von č. školní prověrka, školní zpráva ö.-dt. Schulbericht anstelle von č. vysvědčení)128 oder umgekehrt aus L1 nach L2: Im ost-ö. Mikroareal findet sich z.B.: hraje si o-ö.-dt. er/sie spielt sich; č. natáhnout papuče/bačkory - o-ö.-dt. die Patschen strecken; č. jít na lepší o.-ö.-dt. auf Lepschi gehen);129 diese Interferenz in den ad-hoc-Bildungen wurde im Sprachunterricht bilingualer Kinder beobachtet: glo- cken (statt dt. läuten) č. zvonit, Topfohr č. ucho, ouško (hrnce) (statt dt. Henkel; es zertajt sich č. roztaje; Ihr kant sie zulepen č. přilepiti;130 o.-böhm. dial. Füchslein (südlich Poder- sam/Podbořany), Füchsling (Adlergebirge) č.; n.-mähr.-dt. dial. Hühnlein, Hühnling 1. Hühnlein 2. Cantharellus cibarius č. mähr. dial. kuřátko 1. Hühnlein 2. Cantharellus cibarius).131 Der Sprachträger, der nicht mit dem Urheber eines Calques identisch ist, wird in der Regel sowohl über den Tatbestand...

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