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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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6.4. Semicalque 44

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44 Semicalque 6.4. Semicalque 6.4.1. Forschungsstand Das Phänomen einer intellektualisierten Mischung von sprachunterschiedlichen Kons- tituenten im Wort, welches zum Teil auch der Semicalquierung geschuldet bleibt, ist seit Klarets Wörterbüchern in der 2. Hälfte des 14. Jhs. belegt: vgl. z.B. vrhcáb, ač. dvojemíle/dvojimíle, ač. pstrohák, tréšpičatý (Vel.), půlort (Com.). Der Bischof der Brüderunität Jan Blahoslav geht singulär auf phraseologische Semi- calques ein: Daňk obdržeti, phrasis ex germanica lingua desumpta, u těch Čechů kteříž s turnaji zacházejí, vox trita. (231a); Jan Amos Comenius liefert landkočí (Com. DJO 40,1); aus der Publizistik des 18. Jhs. stammen: bychsmistři (74, **B, 3, 19); kafevařič, to jest kafesieder (22, 2, 82); ferflegsouřad (46, Zz, 381, 86).171 Die im N- ČSVN (1853: 98) gebuchten Semicalques aus dem Deutschen elektroměr, -budič, - noš, -věst sind eher als Vorboten der Internationalisierungstendenz zu betrachten, ins- gesamt treten Semicalques bzw. heimische Hybridbildungen aber bis in die 30er Jahre des 20. Jhs., wo sie auch durch das PLZ-Mitglied Roman Jakobson (1932: 92ff.) gut- geheißen werden, im Vergleich zu genuinen Wortbildungsarten nur sporadisch auf. In der Forschungsterminologie begegnen Benennungen für den Semicalque ohne die- selbe Ex- und Intension zu bezeichnen wie folgt: Č. poloviční kalky (Helcl 1953; Hauser 1978: 175; Stěpanova 2004: 77), neúplné kalky (Helcl 1953: 36), polokalkování (Mejstřík 1965); slk. polokalk (Mistrík 1993: 230), hybrid (zmiešané prevzatie, Palc...

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