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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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10.1.4.3. Kriterium der arealen Verbreitung 141

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Identifizierungskriterien zur Lehnguterfassung von (Semi)Calques 141 bzw. (direkte) Verwendung motiviert wird. Die homophone Lb scheint sowohl lautlich als auch semantisch, die Lb auch morphematisch motiviert zu sein. Denn wenn im L2- Prototypen und L1-Reprodukt neben der semantischen (figurativen) Motivierung die Morphemselektion in Bezug auf die Lautung und Funktion in der onomasiologischen Struktur und eventuell auf deren Anzahl äquivalent ausfällt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Identifizierung umso höher. Infolgedessen steigt die Identifizierbarkeit bei einer synchronen Motiviertheit graduell in der Abfolge lautliche, morphematische (lautli- che und) semantische morphosemantische Motivierung. Bei der diachronen Motiviertheit können folgende lautlichen Fälle eintreten, die iden- tifikationsfördernd wirken: Einerseits kann die primäre Motivierung im L2- Prototypen (strōbrūt (2. Hälfte 14. Jh.) ‛Mädchen, das schon vor der Hochzeit ein Kind erwartet’, eventuell neben weiteren Deutungen Anspielung auf den zur Ächtung zu tragenden Strohkranz bei der Hochzeit) durch sprachlichen Konservativismus einen anachronisti- schen Charakter annehmen (1715: „strohwittben heisset man aus schertz an etlichen orten diejenigen weiber, deren männer verreiset oder abwesend seynd.“) und wird mit der zu ihr durch Bedeutungswandel in Widerspruch stehenden Inhaltsseite in L1 repro- duziert (slaměná vdova, slaměný vdovec nhd. Strohwitwe, ebenso im Slk., Ostslav., P., Os., Sln., Bg., Kr. und Ung. vertreten).526 Efremov (1974b: 66) bemängelt zwar bei diesem Typ (обяснительно-этимологические калькирование), dass im Calque die aktuelle Bedeutung durch die Wortbildungsstruktur so nicht adäquat ausgedrückt wer- den kann (z.B. hier ‛Frau, deren Mann verreist ist’), andererseits ist hier aber durch...

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