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Zur Theorie der Lehnprägung im deutsch-tschechischen Sprachkontakt

Eine historisch-vergleichende Untersuchung im innerslavischen und europäischen Kontext

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Ales Puda

Welcher Teil einer Sprache ist nicht über den «Leisten der Lehnprägung geschlagen»? Um das fremde Sprachgut im eigenen Gewand ranken sich in den europäischen Philologien viele Mythen und Legenden, die teils auf einer stiefmütterlichen Behandlung beruhen, teils aber auch sprachpolitisch bewusst gestreut wurden. Diese Arbeit versteht sich einesteils als theoretische Abhandlung zu den Bedingungen, Ursachen und Prozessen, die zu einer Aufnahme von deutsch-tschechischen Lehnprägungen im innerslavischen und weiteren europäischen Kontext führten. Anderenteils schließt sich ihr ein tschechischer Wörterbuchteil mit ausgewählten calquierten Substantivbeispielen an, deren etymologische sowie lexikographische Wortgeschichte soweit wie möglich nachgezeichnet wurde. Dabei wurden neben neuen Lemmata auch Verbesserungen zu bereits vorhandenen Einträgen in den etymologischen Wörterbüchern des Tschechischen vorgenommen.

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11.9. Gebauer-Ertl-Zubatý-Periode 168

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168 Die Lehnprägung zwischen Sprachentfaltung und Sprachpurismus „Uznává se sice, že se jazyk doby ,,klasické“ značně odchýlil od původní podoby českého jazyka, ,,přijav mnohé zvláštnosti z jazyka latinského“, ale nepokládá se to za chybu, neboť tehdejší spisovatelé „cítili v sobě a znali ducha řeči české mnohem lépe než my, epigonové jejich; i přizpůsobili také ty obraty, jež z latiny převedli do češtiny, povaze jazyka našeho, takže mu dokonce na újmu nejsou, zvláště uváží-li se, že duch jazyků klasických mluvě naší není v té míře na odpor, jako povaha řeči německé.“ Dass diese Einstellung demnach nicht einvernehmlich von allen Puristen ge- teilt wurde, zeigt Javůrek (1873: 4), dem zufolge neben dem Deutschen auch das Lateinische durch die falsche Setzung von Präpositionen schlecht auf die tschechische Syntax gewirkt habe. Eine xenophobe Haltung wird gegenüber vermeintlichen Germanismen, die eventuelle Europäismen oder autochthone Bauentsprechungen sind (in der Syntax und Phraseolo- gie), eingenommen, wobei den Puristen vielfach bei Äquivalenten im Tschechischen die Parallelität mit einem deutschen Ausdruck genügte, um ihn als Germanismus zu indizieren und aus dem Sprachgebrauch eliminieren zu wollen. Der Vorwurf muss al- lerdings für die wenigen indizierten Lehnbildungen und Lehnbedeutungen, die zumeist tatsächliche Lehnprägungen darstellen, entkräftet werden. Das Endergebnis des Purismus wird allgemein als nicht groß eingeschätzt.631 Für ei- nige Bereicherungen der Schriftsprache in der...

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