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Gegliederter Universalismus

Politische Philosophie und ihre Tendenzen in der bundesdeutschen Parteienprogrammatik

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Matthias Bublitz

Wie kann Philosophie zur Gestaltung von Politik beitragen? Nach Ansicht des Autors ist dies nur möglich, wenn sie sich für das Partikulare und Tendenzöse öffnet. Ihr Weg in die politische Wirklichkeit kann nur über die Parteien erfolgen. Zugleich sollte sie sich aber um eine – noch näher zu bestimmende – Form von Universalität bemühen, die die verschiedenen Tendenzen auf einer höheren Ebene kompatibel macht. Der Ansatz eines «gegliederten Universalismus», den der Autor entwirft, versucht, sich beiden Zielen gleichermaßen anzunähern. In einem weiteren Schritt werden philosophische Definitionen für sechs politische Richtungen vorgeschlagen (Liberalismus, Sozialdemokratie, Sozialismus, Wertkonservatismus, Strukturkonservatismus, alternative Ansätze). Diese Definitionen folgen einem übergreifenden Grundschema und verweisen zudem aufeinander, sodass die Ebene des bloß Einseitigen partiell transzendiert wird. Im folgenden Analyse-Teil werden Texte der philosophischen Tradition, aber auch aktuelle Parteiprogramme anhand der entwickelten Tendenzdefinition auf ihren normativen Gehalt hin untersucht. Die Ergebnisse zeigen die Aktualität und Reichweite der klassischen Anschauungen, mit denen sich auch heute noch ein großer Teil des programmatischen Gedankenguts der Parteien erfassen lässt. Sie zeigen aber auch, wie sehr die einzelnen Tendenzen der Relativierung durch andere bedürfen und wie plural philosophische Texte und Parteiprogramme oft sind.

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Teil B: Konfliktlinien in Geschichte und Gesellschaft 27

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Teil B: Konfliktlinien in Geschichte und Gesellschaft 3. Soziale Differenzierungen Die beschriebenen Verbindungsprobleme zwischen Politik und Philoso- phie stellen nur einen Ausschnitt der politisch-ideologischen Ausgangs- lage dar. Philosophie kann in einer pluralistischen Demokratie nur dann praktisch-politisch werden, wenn sie sich nicht scheut, das Partikulare zu formulieren. Um aber das Partikulare ausdrücken zu können, muss sie das Trennende kennen. Dieses Trennende wollen wir – auf drei Ebenen – im folgenden Teil der Arbeit untersuchen. Es dürfte unbestritten sein, dass die Pluralität politischer Tenden- zen – wie auch moralischer Maßstäbe überhaupt – etwas zu tun hat mit einer Pluralität der Gesellschaft, die in unterschiedlichen Interessen, Prä- gungen und Lebenslagen hervortritt. Zu klären, wie diese soziale Plurali- tät im Einzelnen beschaffen ist und welcher Zusammenhang zwischen realen Lebenslagen und ideellen Verortungen genau besteht, ist hier nicht der Ort. Ohnehin halten wir es für fragwürdig, die verschiedenen Tendenzen des politischen Gemeinwesens allzu eng an bestimmte Inter- essenlagen zu binden (s.u.). Es geht hier also nicht darum, ein detaillier- tes Bild der Gesellschaft und ihrer Feingliederungen zu zeichnen, um daraus eine angemessene Grundlage für Tendenznormativität abzuleiten. Andererseits kann eine Tendenztheorie aber nur dann fruchtbar und zumindest für eine gewisse Zeit relativ falsifikationsresistent sein, wenn sie die realen Spaltungen der Gesellschaft zumindest in einem indirekten Sinne berücksichtigt. Wir wollen deshalb – bevor wir die Tendenzen im Einzelnen betrachten – einen kurzen Blick werfen auf die verschiedenen Konzepte allgemeiner Gliederungsmuster, die für die deutsche Gesell- schaft...

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