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Das Unsagbare erzählen: J. M. Coetzees ästhetische Strategien zur Darstellung von Gewalt

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Susanne Kern

Nicht nur in den Medien, auch in der Literatur ist eine Tendenz zu beobachten, Grausamkeiten in immer schonungsloserer Direktheit und Detailliertheit darzustellen. Die Romane des südafrikanischen Nobelpreisträgers J. M. Coetzee widersetzen sich dieser Tendenz, indem sie Gewalt als Unsagbares präsentieren, d. h. als etwas, das sich der diskursiven wie instrumentellen Aneignung durch Sprache entzieht. Das Unsagbare wird überall dort manifest, wo die Texte offen bleiben, wo sie Ambiguitäten, Unbestimmtheiten, Widersprüche oder Leerstellen erzeugen. Hierzu bedient sich der Autor einer Vielzahl ästhetischer Strategien. Betrachtet werden jene sechs Romane, die Coetzee während der Apartheid geschrieben hat.

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7. Schlusswort 207

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207 7. Schlusswort In allen hier behandelten Romanen fragt Coetzee nach den Darstellungsmöglich- keiten einer an sich grausamen Wirklichkeit. Wie die vorliegende Arbeit gezeigt hat, thematisiert Coetzee Gewalt in erster Linie aus der Sicht des Individuums als körperliche und psychische Grenzerfahrung. Die Frage, wie diese vermittelt werden kann, ist in allen Romanen ein zentrales Thema. Indem er dieses im Spannungsfeld zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren auslotet, macht er uns auf die Möglichkeiten und Grenzen der Sprache aufmerksam. Während er in seinem Erstlingsroman Dusklands die Möglichkeiten des Sagbaren ausreizt und zeigt, wie brutal und grausam, aber auch wie beschönigend Sprache sein kann, rückt in den anderen Romanen Gewalt als Unsagbares verstärkt in den Mittel- punkt; als Ausdruck des Scheiterns der Sprache angesichts der sich abspielenden Gräuel. Das Unsagbare wird überall dort manifest, wo die Texte offen bleiben, wo sie Leerstellen, Ambiguitäten, Unbestimmtheiten und Widersprüche erzeugen. Analog hierzu sind seine Erzählwelten häufig überaus fragil, wie beispielsweise in In the Heart oft he Country oder in Foe. Seine Strategien zur Darstellung von Gewalt tragen dem, wie nachfolgend ausgeführt wird, Rechnung. In Age of Iron stellt Coetzee die Wirkung des realistischen Erzählstils zur Diskussion. Der Roman zeigt, dass die Erzählerin immer dann an ihre sprachli- chen Grenzen stößt, wenn sie versucht, ein möglichst wirklichkeitsnahes Abbild der Apartheid zeichnen. Deutlich wird das besonders dort, wo der Protagonistin die Worte fehlen, oder aber ein scharfer Kontrast entsteht,...

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