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Der «caso Parmalat» in der Berichterstattung italienischer Print- und Rundfunkmedien

Eine Studie zur sprachlichen Markierung von Corporate Identity, lokaler und nationaler Identität

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Andreas Bschleipfer

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Freunde der Universität Augsburg 2009.
Parmalat gehörte über Jahrzehnte zu den wichtigen Symbolen für die Wirtschaftsentwicklung Italiens und der Region Parma. Eine tiefgreifende Finanzkrise des Unternehmens 2003/2004 stellte das Identitätssymbol grundlegend in Frage. Die vergleichende Untersuchung der medialen Behandlung der Krise bildet das Rahmenthema dieses Buches. Es widmet sich der Konstitution von kollektiven Identitäten, den Ritualen und Symbolen nationaler und lokaler Identifikation sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Interessen. Die Fallstudie leistet einen sprach- und medienwissenschaftlichen Beitrag zur Theoriediskussion in der Identitätsforschung und geht folgenden Fragen nach: Wie beeinflussen Medien die Bedingungen von Identitätskonstruktionen? Inwieweit sind Unternehmen ambivalente Identitätssymbole, zumal wenn die Corporate Identity krisenhaften Einflüssen unterliegt? Wie werden Identitätsdiskurse konkret versprachlicht und medialisiert?

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2.3.7.2. Region und Stadt 59

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2.3. Kollektive Identität 59 2.3.7.2. Region und Stadt In dem Spannungsverhältnis zwischen Nation, Europäisierung und Transnationali- sierung scheinen nationale Identitäten den Nationsangehörigen heute in geringerem Maß als zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Projektionsfläche der personalen Iden- tifikation zu bieten. Von der tendenziellen Schwächung nationaler Identität profi- tiert unter anderem der Regionalismus. Wie Umfragewerte des Word Values Survey aus den Jahren 1990-1991 und 1995-1997 belegen (cf. Castells 2004: 359), sehen 38 % der Befragten die Nation als primäre Quelle ihrer territorialen Identität an. Auf Region und Stadt bzw. städtischen Großraum entfallen hingegen 47 %. Im glo- balen Vergleich erhält die regionale/städtische Identität die höchste Zustimmung unter den Befragten aus den südwestlichen (64 % der Befragten) und nordwestli- chen (62 % der Befragten) Teilen Europas (Nordamerika 41 %, Mittlerer Osten 39 %). Eine ausschließliche Identifikation mit Region und Stadt liegt jedoch nur bei circa 20 % der Befragten vor. Diese Ergebnisse deuten nicht nur auf eine Stärkung kleinteiligerer regionaler Identitäten, sondern auch auf ein Wechselspiel zwischen lokal-regionalen und nationalen oder gar globalen Identifikationsmustern hin. Die offensichtliche Kombination aus makro- und mikrogeographischen Quellen der Identitätsstiftung legt nahe, dass die Konstruktionsmechanismen kollektiver Identi- täten "in ihren räumlichen Dimensionen untersucht werden müssen, ohne die Ana- lyse auf den Raum der klassischen Trias Gesellschaft/Staat/Nation zu beschränken" (Wieviorka 2003: 52). Der Identitätsfokus verschiebt sich nach Estel (2002: 474) für...

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