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Der «caso Parmalat» in der Berichterstattung italienischer Print- und Rundfunkmedien

Eine Studie zur sprachlichen Markierung von Corporate Identity, lokaler und nationaler Identität

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Andreas Bschleipfer

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Freunde der Universität Augsburg 2009.
Parmalat gehörte über Jahrzehnte zu den wichtigen Symbolen für die Wirtschaftsentwicklung Italiens und der Region Parma. Eine tiefgreifende Finanzkrise des Unternehmens 2003/2004 stellte das Identitätssymbol grundlegend in Frage. Die vergleichende Untersuchung der medialen Behandlung der Krise bildet das Rahmenthema dieses Buches. Es widmet sich der Konstitution von kollektiven Identitäten, den Ritualen und Symbolen nationaler und lokaler Identifikation sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Interessen. Die Fallstudie leistet einen sprach- und medienwissenschaftlichen Beitrag zur Theoriediskussion in der Identitätsforschung und geht folgenden Fragen nach: Wie beeinflussen Medien die Bedingungen von Identitätskonstruktionen? Inwieweit sind Unternehmen ambivalente Identitätssymbole, zumal wenn die Corporate Identity krisenhaften Einflüssen unterliegt? Wie werden Identitätsdiskurse konkret versprachlicht und medialisiert?

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2.7.3.4. Journalistisches Selbstbild: Rezipientenorientierte Solidarität 158

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158 2. Identität, Sprache, Medien 2.7.3.4. Journalistisches Selbstbild: Rezipientenorientierte Solidarität Zu gesellschaftlichen Teilgruppen, die auf die Herausbildung kollektiver Identität Einfluss nehmen, kann die Gruppe der Journalisten gezählt werden. Selbst wenn nach Wegeners (2002: 69) kritischer Einschätzung "Selbstreflexion in der Regel nicht zum Alltag journalistischer Arbeit gehört" und "kontinuierliche Selbstbeob- achtung […] sich im Medienjournalismus nicht [findet] – vielleicht muss sie das auch gar nicht" – so ist dennoch wahrscheinlich, dass Journalisten über ein internes Gefühl der Gruppenzugehörigkeit im Sinne einer kollektiven Berufsidentität verfü- gen. Ein denkbarer Bestandteil dieser Gruppenidentität ist der Wille, sich als Inter- essenvertreter der Bevölkerung, also des gesamtgesellschaftlichen Kollektivs wahr- zunehmen und sich als solche solidarisch zu verhalten und zu artikulieren. Darauf deuten etwa berufsethische, aber auch medienrechtliche Formulierungen hin, im Fall Italiens etwa Art. 2 der legge 69/1963: "Giornalisti ed editori sono tenuti […] a promuovere […] la fiducia tra la stampa e i lettori" (zit. in Caprettini/Zenatti 2005: 90); die in der legge 206/1993 eingeforderte Befolgung der Richtlinien für das "cor- retto adempiemento delle finalità e degli obblighi del servizio pubblico radiotelevi- sivo" (zit. in Caprettini/Zenatti 2005: 92) muss für den Journalisten Lorenzo Gigli insbesondere vor dem Hintergrund der gesamtgesellschaftlichen Interessenvertre- tung interpretiert werden: "è opportuno tenere presente l'interesse collettivo alla pubblicazione […]. Ma per osservare questo principio occorre che i giornalisti, tutti i giornalisti, abbiano bene in mente qual è l'interesse pubblico" (Caprettini/Zenatti 2005: 92). Dieses Eintreten für ein vermutetes allgemeines Interesse kann seinen Ausdruck im kommunikativen...

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