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Der «caso Parmalat» in der Berichterstattung italienischer Print- und Rundfunkmedien

Eine Studie zur sprachlichen Markierung von Corporate Identity, lokaler und nationaler Identität

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Andreas Bschleipfer

Ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Freunde der Universität Augsburg 2009.
Parmalat gehörte über Jahrzehnte zu den wichtigen Symbolen für die Wirtschaftsentwicklung Italiens und der Region Parma. Eine tiefgreifende Finanzkrise des Unternehmens 2003/2004 stellte das Identitätssymbol grundlegend in Frage. Die vergleichende Untersuchung der medialen Behandlung der Krise bildet das Rahmenthema dieses Buches. Es widmet sich der Konstitution von kollektiven Identitäten, den Ritualen und Symbolen nationaler und lokaler Identifikation sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Interessen. Die Fallstudie leistet einen sprach- und medienwissenschaftlichen Beitrag zur Theoriediskussion in der Identitätsforschung und geht folgenden Fragen nach: Wie beeinflussen Medien die Bedingungen von Identitätskonstruktionen? Inwieweit sind Unternehmen ambivalente Identitätssymbole, zumal wenn die Corporate Identity krisenhaften Einflüssen unterliegt? Wie werden Identitätsdiskurse konkret versprachlicht und medialisiert?

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3.5. Zur Rolle von Anlegern, Kreditinstituten und Kontrollorganen 206

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206 3. Unternehmensgeschichte des Lebensmittelkonzerns Parmalat um Aktiva in der Konzernbilanz zu simulieren. So verkaufte Camfield über die Konzerntochter Bonlat angeblich 300.000 Tonnen Milchpulver an eine staatliche kubanische Firma (Impresa Cubana Importadora di Alimentos di Cuba), was einem Auftragswert von 359 Millionen Dollar entsprach. Der Gewinn dieses fiktiven Auf- trags wurde als Aktivposten in die Bilanz der Bonlat eingetragen; Camfield trat so- mit als Verkäuferin des Milchpulvers an Bonlat, und diese wiederum als Verkäufe- rin der – nicht vorhandenen – Ware nach Kuba auf. 2) Um die nicht zurückzahlbaren Verbindlichkeiten auf andere Firmen umzu- schreiben und dort in Aktiva umzuwandeln, wurde im September 2002 der Invest- mentfonds namens Epicurum Ltd erfunden. Das fiktive Guthaben dieses im Steuer- paradies Cayman Inseln registrierten Fonds wurde mit einem Betrag in Höhe von fünf Milliarden Dollar ausgewiesen. Nach offzieller Dastellung war die Parmalat- Gruppe über die Unternehmenstochter Bonlat mit 10 Prozent an diesem Fondsver- mögen beteiligt: "Una quota fittizia, come fittizio è il fondo" (Franzini 2004: 111). Da diese Beteiligung als kurzfristig liquidierbare Posten ausgegeben wurden, konn- ten daraus bei Bedarf fiktive Beträge als Aktivposten in die Bilanzen von Bonlat und Parmalat SpA übertragen werden. Durch den Investmentfonds konnte also der Anschein vorhandener Zahlungsfähigkeit der Parmalat-Gruppe erzeugt werden – "una liquidità che non c'è" (Franzini 2004: 113). 3) Zu einem entscheidenden Anteil wurde die hochverschuldete Parmalat über zahlreiche Emissionen von Schuldverschreibungen (Unternehmensobligationen/ obbligazioni, Bonds/bond) finanziert. Ende 2003 hatte die Parmalat-Gruppe 16 Emissionen getätigt (14 davon durch die in den...

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