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Naturwissen, Ästhetik und Religion in Bernardin de Saint-Pierres «Études de la nature»

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Torsten König

Bernardin de Saint-Pierres Études de la nature (1784) stellen den Versuch dar, die gesamte Natur und ihre Organisationsgesetze zu beschreiben. Dabei verknüpfen sie verschiedenste Bereiche des Wissens. Sie diskutieren naturphilosophische, theologische und ästhetische Fragen ebenso wie solche der Naturgeschichte. Diese Arbeit untersucht unter Einbeziehung diskursgeschichtlicher Kontexte die Verknüpfungen dieser Fragen durch den Text. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Frage nach dem Zusammenhang von Wissen und dessen Artikulationsformen, insbesondere literarischer Ausdrucksweisen. Anhand von Bernardin de Saint-Pierres Naturstudien können damit exemplarisch Transferprozesse zwischen Wissensbereichen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts analysiert werden, die einerseits an der die Zeit charakterisierenden Ausdifferenzierung naturwissenschaftlicher Disziplinen beteiligt waren, andererseits an der Herausbildung einer modernen Naturästhetik. Mit Blick auf den Autor zeigt die Untersuchung der Études de la nature neue Verstehensmöglichkeiten für dessen erzählerisches Werk auf.

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I. Struktur der Études de la nature und Stellung im Gesamtwerk Bernardins 36

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36 I. Struktur der Études de la nature und Stellung im Gesamtwerk Bernardins 1. Struktur Die Études de la nature erscheinen im Jahr 1784 in Paris bei Didot le jeune in drei Bänden, die insgesamt etwa eintausendvierhundert Duodezseiten umfas- sen.67 Es handelt sich nach der Voyage à l’Isle de France von 1773 um die zwei- te Publikation Bernardins. Sie verschafft ihm nach langen Jahren der Arbeit den erhofften literarischen und finanziellen Erfolg sowie die ersehnte gesellschaftli- che Anerkennung.68 Ihre Entstehungsgeschichte reicht bis in die sechziger Jahre des Jahrhunderts zurück. Der Autor erklärt zum Charakter seines Werkes mit Blick auf die Titelwahl: „Descriptions, conjectures, aperçus, vues, objections, doutes, et jusqu’à mes ignorances, j’ai tout ramassé; et j’ai donné à ces ruines le nom d’études, comme un peintre aux études d’un grand tableau, auquel il n’a pu mettre la dernière main.“ (E I, 139) In dieser Kurzbeschreibung finden sich zentrale Züge des Tex- tes zusammengefasst. Es handelt sich bei den vierzehn, „Études“ genannten Ka- piteln, was die einzelnen Gegenstände betrifft, um ein Konglomerat heterogens- ter Themen, die in verschiedensten Aussageformen und Textarten nebeneinan- der gestellt werden bzw. ineinander übergehen: Erörterungen zu wissenschaftli- chen Fragen sowie philosophische und theologische Argumentationsketten wechseln mit umfangreichen Natur- und Landschaftsdeskriptionen, Anekdoten, literarischen Zitaten und Querverweisen, persönlichen Erinnerungen und weit- schweifigen lyrischen Meditationen über Natur, Gott, Leben und Tod. Mit dem Verb „ramasser“ wird die Art der Anordnung dieser Gegenstände charakteri- siert. Wenngleich im Gesamttext präetablierte Ordnungsprinzipien auszumachen...

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