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Naturwissen, Ästhetik und Religion in Bernardin de Saint-Pierres «Études de la nature»

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Torsten König

Bernardin de Saint-Pierres Études de la nature (1784) stellen den Versuch dar, die gesamte Natur und ihre Organisationsgesetze zu beschreiben. Dabei verknüpfen sie verschiedenste Bereiche des Wissens. Sie diskutieren naturphilosophische, theologische und ästhetische Fragen ebenso wie solche der Naturgeschichte. Diese Arbeit untersucht unter Einbeziehung diskursgeschichtlicher Kontexte die Verknüpfungen dieser Fragen durch den Text. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei die Frage nach dem Zusammenhang von Wissen und dessen Artikulationsformen, insbesondere literarischer Ausdrucksweisen. Anhand von Bernardin de Saint-Pierres Naturstudien können damit exemplarisch Transferprozesse zwischen Wissensbereichen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts analysiert werden, die einerseits an der die Zeit charakterisierenden Ausdifferenzierung naturwissenschaftlicher Disziplinen beteiligt waren, andererseits an der Herausbildung einer modernen Naturästhetik. Mit Blick auf den Autor zeigt die Untersuchung der Études de la nature neue Verstehensmöglichkeiten für dessen erzählerisches Werk auf.

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II. Naturerkenntnis, Moral, Religion 50

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50 II. Naturerkenntnis, Moral, Religion Nach dem Überblick über die Organisationsstruktur des Gesamttextes sollen nun wie angekündigt wichtige Themenfelder der Études de la nature, deren Bezugs- punkte sich teilweise über den ganzen Text verteilt finden, rekonstruiert werden. In Kapitel II handelt es sich dabei um die Verknüpfungen, die der Text zwischen Naturerkenntnis, Moral und religiösen bzw. theologischen Fragen etabliert. Im Einzelnen soll dabei auf die Spezifik von Bernardins Verteidigung einer gütigen Providenz angesichts ihrer Kritiker eingegangen werden sowie auf die Frage nach der Erkennbarkeit Gottes, die verbunden ist mit seiner Harmonienlehre und dem finalistischen Weltbild, das er hier entwickelt. 1. Naturstudium und moralische Belehrung „Je formai, il y a quelques années, le projet d’écrire une histoire générale de la nature, à l’imitation d’Aristote, de Pline, du chancelier Bacon, et de plusieurs modernes célèbres“ (E I, 103): mit diesen Worten beginnt Bernardin de Saint- Pierre seine Études de la nature. Er stellt sich hierdurch mit einer rhetorischen Geste109 in bedeutende Traditionen, um jedoch gleich im Anschluss relativierend hinzuzufügen, welchen Platz er selber in dieser Tradition einzunehmen gedenkt: Ce champ me parut si vaste, que je ne pus croire qu’il eût été entièrement parcouru. D’ailleurs la nature y invite tous les hommes de tous les temps; et si elle n’en promet les découvertes qu’aux hommes de génie, elle en réserve au moins quelques moissons aux ignorans, sur-tout à ceux qui, comme moi, s’y arrêtent à chaque pas, ravis...

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