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Regimelegitimität und regionale Kooperation im Golf-Kooperationsrat (Gulf Cooperation Council)

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Leonie Holthaus

Der Golf-Kooperationsrat stellt die wohl erfolgreichste (sub-)regionale Organisation arabischer Staaten dar. Entgegen neorealistischen Erklärungsversuchen wird seine Entstehung in dieser Studie unter Hinzuziehung sozialkonstruktivistischer Erkenntnisse auf die Bedrohungsperzeption der verbleibenden monarchischen Regime aufgrund der iranischen Revolution zurückgeführt. Darüber hinaus werden die institutionellen Strukturen des Golf-Kooperationsrates sowie die initiierte Wirtschafts- und Sicherheitskooperation unter Berücksichtigung eines Zuwachses an Legitimierungsressourcen für die partizipierenden Regime analysiert. Bei der Betrachtung dieser (sub-)regionalen Dynamiken wie auch bei der Evaluation der interregionalen Beziehungen zwischen dem Golf-Kooperationsrat und der Europäischen Union wird dem Phänomen der Regimelegitimität über die interne Dimension in nationalen Kontext eine externe Dimension auf internationaler Ebene eingeräumt.

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2. Die sozialkonstruktivistischen Ansätze der Internationalen Beziehungen

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In der politikwissenschaftlichen Teildisziplin der Internationalen Beziehungen herrscht „Theorienpluralismus“. Das bedeutet, dass unterschiedliche theoreti- sche Ansätze nebeneinander bestehen und um Erklärungskraft konkurrieren (vgl. Spindler/Schiedler, 2006: 9). Teilweise basieren sie auf differenten episte- mologischen und ontologischen Annahmen, die eine explizite Darstellung der ihnen zugrundeliegenden Prinzipien erfordern. Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf die Grundannahmen der sozialkonstruktivistischen Ansätze.9 Es folgt eine kurze Darstellung der grundlegenden Thesen dieser Richtung in Abgren- zung zu substanziellen Theorien der Internationalen Beziehungen. Dabei werden einerseits die unterschiedlichen Ausprägungen des Ansatzes angesprochen, andererseits die Darstellung auf Grundannahmen konzentriert, die von dem moderaten „Mainstream“ der sozialkonstruktivistischen Ansätze geteilt werden. Der Terminus „sozialkonstruktivistische Ansätze“ ist bewusst gewählt, da es verschiedene Ausprägungen dieser Richtung gibt.10 Die bekannteste Variation ist der staatszentrierte Ansatz von Alexander Wendt.11 Daneben bestehen allerdings konstruktivistisch inspirierte und basierte liberale und institutionalistische For- schungen, neo-gramscianische und feministische Herangehensweisen, radikal- konstruktivistische und sprachtheoretisch fundierte Außenpolitikanalysen sowie konstruktivistisch inspirierte Weiterentwicklungen traditioneller Ansätze (vgl. Risse, 2003: 102). 9 Dem Sprachgebrauch der Sekundärliteratur folgend werden die Begriffe „konstruktivis- tisch“ und „sozialkonstruktivistisch“ in dieser Arbeit synonym verwendet. 10 Die Einteilung in die verschiedenen „konstruktivistischen Schulen“ fällt je nach Autor unterschiedlich aus. Die im Fließtext vorgestellte Differenzierung orientiert sich an Thomas Risse. Es sei allerdings noch auf weitere Differenzierungsmöglichkeiten hin- gewiesen: So unterscheidet Ernst B. Haas eine „‚systemic school,’“ „‚norms and cultu- re’ school’“ und „‚soft rationalist’ school’“. Emanuel Adler nimmt eine Einteilung in staatszentrische Konstruktivisten, Konstruktivisten, die Erkenntnisse...

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