Show Less

Das Bild der Frau in den Liedertexten des Flamenco

Adela Rabien

«Carmen» ist für uns der Inbegriff der andalusischen Zigeunerin. Entspricht sie dem Frauenbild, das wir in den Liedertexten des Flamenco finden? In dieser Arbeit werden zuerst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den «Mythos Flamenco» abgegrenzt. Es wird nach der Authentizität der Texte gefragt und erläutert, welche Probleme sich ergeben, bis ein Frauentext in eine Sammlung gelangt. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Frauenbilder in den Liedertexten tradiert werden: die Geliebte, die Ehefrau, die Mutter, die Schwiegermutter und die Frau allgemein – mit einigen überraschenden Erkenntnissen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Vorwort

Extract

Als 1983 der Film "Carmen" von Carlos Saura und Antonio Gades in die deutschen Kinos kam, entfachte er eine unerwartete Begeisterung. Mein kleines Berliner Flamenco-Studio, - das erste dieser Art in Deutschland, in dem ich mich seit zehn Jahren für das Bekanntwerden der Flamencokunst eingesetzt hatte - , erlebte plötzlich einen ungeheuren Zulauf. Was bewog die Frauen, zu kommen? Umfragen1 zufolge war der Film für sie zwar der Auslöser, nicht aber der Grund gewesen, sich mit Flamenco zu beschäftigen. Dass mit dem Begriff "Carmen" ein ganz bestimmtes Klischee abgerufen wurde, ein Wunschbild, das jetzt wachgerufen wurde, lag auf der Hand. Dieses Wunschbild läßt sich etwa so umreißen: Carmen ist die Frau, die frei und ungebunden ihre Gefühle ausdrückt. Ihre Selbständigkeit und Spontaneität stehen im Gegensatz zur angepaßten, farblos braven und unselbständigen bürgerlichen Frau. Sie nimmt sich, außerhalb des bürgerlichen Moralkodexes, die Freiheiten eines Mannes heraus2 und übt gerade dadurch eine auch erotische Faszination auf die Männer3 aus: Sie wird von diesen bewundert und übt damit Macht über sie aus. Das Bild dieser Zigeunerin4 ist überaus 1 Zwei Umfragen von der Zeitschrift "Stern" 1983 im Abstand von drei Wochen; zwei Umfragen von Herbert Maar im Rahmen seiner Magisterarbeit während der Seminare, die ich in Wien/Perchtoldsdorf 1992 und 1993 gab. 2 Dass sie diese Freiheit letztlich mit dem Leben bezahlt, die "patriarchale Ordnung" damit wieder hergestellt wird, wird bei diesem Traumbild im Allgemeinen verŔ gessen....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.