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Das Bild der Frau in den Liedertexten des Flamenco

Adela Rabien

«Carmen» ist für uns der Inbegriff der andalusischen Zigeunerin. Entspricht sie dem Frauenbild, das wir in den Liedertexten des Flamenco finden? In dieser Arbeit werden zuerst die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen den «Mythos Flamenco» abgegrenzt. Es wird nach der Authentizität der Texte gefragt und erläutert, welche Probleme sich ergeben, bis ein Frauentext in eine Sammlung gelangt. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Frauenbilder in den Liedertexten tradiert werden: die Geliebte, die Ehefrau, die Mutter, die Schwiegermutter und die Frau allgemein – mit einigen überraschenden Erkenntnissen.

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5. Der Weg eines Textes bis in eine Sammlung

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5.1 Autor und Anonymität Ein Text muss, aus gegebenem Anlaß, erst einmal erfunden werden. Wenn er von einiger Relevanz ist und die Formulierung gelungen, wird er vielleicht in den allgemeinen Gebrauch übergehen und zu einem "populären" und später zu einem "traditionellen" Text werden, wobei Umformulierungen und Anpassungen ein Teil dieses oralen Prozesses sind. Eng damit verbunden ist die Tatsache, dass der eigentliche Autor dieses Textes während dieses Prozesses vergessen wird: der Dichter erringt, falls das Lied Erfolg hatte, einen anonymen Ruhm. Schon im siglo de oro wurden "Lieder im Volkston" von den (oft aristokratischen) Autoren in Druckform durch die "pliegos de cordel" - einzeln zu erwerbende Flugblätter - unter das Volk gebracht. Dieses geschah in traditioneller Weise anonym160. Der Dichter Augusto Ferrán (1835 Ŕ 1880) erklärte: "En cuanto a mis pobres versos si algún día oigo uno solo de ellos de entre un corrillo de alegres muchachas, acompañado por los tristes sones de una guitarra, daré por cumplida toda mi ambición de gloria y habré escuchado el mejor juicio crítico de mis humildes composiciones."161 160 Manchmal wurden die Autoren auf den pliegos genannt (siehe Caro Baroja, 1969, z.B. S. 126,144). Lope de Vega ärgerte sich, dass seine romances anonym (und in einer verdorbenen Fassung) auf den Gassen gesungen wurden; andrerseits ärgerte er sich auch, wenn irgendwelche schlechten Strophen um des besseren Geschäftes willen fälschlich unter seinem Namen verkauft wurden. Hierzu Caro Baroja (S. 51): " En...

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