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Die Darstellung von Musik im zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsroman

Peter Ackroyd, Vikram Seth, Richard Powers, Frank Conroy, Paul Auster

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Meike Reher

Die Studie untersucht musikalische Thematisierungen und strukturelle Affinitäten in zeitgenössischen englischen und amerikanischen Bildungsromanen. Im Gegensatz zu bisher vorliegenden Arbeiten zielt sie auf eine gattungsspezifische Perspektive. Die Autorin untersucht, wie der Bildungs- und Identitätsprozess des männlichen Protagonisten durch die Musik unterstützt wird und weist einen grundlegenden Funktionswandel des Genres nach. Im zeitgenössischen Bildungsroman wird Musik zu einem dystopisch eingefärbten Symbol für Isolation und Eskapismus bis hin zu einem Substitut personaler wie sozialer Identität.

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5.3 Identitätsfindung in Amerika 109

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109 schaft ab.508 In der Literatur tritt die Befindlichkeit des Subjekts und sein Ver- hältnis zwischen Ich und der sozialen Umgebung stärker ins Blickfeld. Dieser ambivalente Sachverhalt wird durch Abgrenzung zu verschiedenen sozialen Gruppen sowie durch eine kritische Distanzierung zum American way of life und der damit einhergehenden Leistungs- und Konsumorientierung erreicht.509 Bil- dungsromane evozieren die Suche des zeitgenössischen Helden nach personaler Identität und die „grundsätzliche Unvereinbarkeit von geforderter Anpassung und erstrebter Selbstbestimmung.“510 Das von Arno Heller umrissene Span- nungsverhältnis zwischen Ich und der Gesellschaft wird durch kulturelle Kon- zepte und spezifische soziale Prägungen so sehr verstärkt, dass die Unvereinbar- keit als drängend erlebt wird. Der folgende Abschnitt widmet sich ausgewählten Aspekten, die die Identitätsfindung in Amerika determinieren. 5.3 Identitätsfindung in Amerika 5.3.1 Gründungsmythos und freie Selbstbestimmung Im deutschen Bildungsroman steht der Begriff der Bildung stellvertretend für die ganzheitliche Ausbildung geistiger und emotionaler Fähigkeiten, die am En- de der Adoleszenz sinnstiftend in die Gesellschaft eingebracht werden. In Ame- rika verläuft die Austarierung zwischen Ich und sozialer Umgebung auf der Grundlage anderer historischer Bedingungen. Das coming of age junger Menschen ist mit dem Gründungsmythos Ame- rikas verknüpft.511 Beide implizieren das Ideal der Unschuld und konstituieren eine utopische Vorstellung eines möglichen Neubeginns in einer als korrupt an- gesehenen Welt. So wie die ersten Siedler einen „jungfräulichen“ Kontinent entdeckten und erschlossen512, antizipiert der jugendliche Held im Bildungsro- man vielfältige Möglichkeiten...

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