Show Less

Nonprofit-Marketing im Schulbereich

Britische Schulgesellschaften und der Erfolg des Bell-Lancaster-Systems der Unterrichtsorganisation im 19. Jahrhundert

Series:

Patrick Ressler

Das Bell-Lancaster-System der Unterrichtsorganisation war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das erste weltweit verfügbare Modell für die praktische Bewältigung jener zahlreichen organisatorisch-pädagogischen Probleme, die mit dem Aufbau «nationaler» Erziehungssysteme einhergingen. Die Studie analysiert den erstaunlichen Verbreitungserfolg dieses maßgeblich von gemeinnützigen Organisationen getragenen Systems anhand moderner Nonprofit-Marketingkonzepte und kommt auf diese Weise zu überraschenden Einsichten und innovativen Erklärungsansätzen. Darüber hinaus diskutiert sie ihre Ergebnisse mit Blick auf die spannungsreiche, gerade auch für heutige Globalisierungsverläufe charakteristische Verflechtung von Diffusions- und Rezeptionsprozessen. Damit erweitert die Studie nicht nur die bildungsgeschichtliche Debatte, sondern schließt aus historischer Sicht auch an aktuelle Probleme der Nonprofit-Forschung und einer interdisziplinär ausgerichteten Globalisierungsdiskussion an.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Das Bell-Lancaster-System: Ein Universales Modell – lokale Realisierungen 15

Extract

1. DAS BELL-LANCASTER-SYSTEM: EIN UNIVERSALES MODELL – LOKALE REALISIERUNGEN WAS IST DAS BELL-LANCASTER-SYSTEM? Marketing und Schule, und noch dazu im 19. Jahrhundert, das sind zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen scheinen. Insbe- sondere aus einer Perspektive wie der deutschen, die den Staat als den im Schulbereich traditionell zentralen Akteur betrachtet, mag die Vorstel- lung befremdlich anmuten, dass eine Sozialtechnik, die vor allem mit der freien Wirtschaft assoziiert wird,1 auch bei der Verbreitung pädagogi- scher Konzepte eine beachtliche Rolle spielen kann. Die Arbeit zeigt je- doch, dass frühe Formen dessen, was heute als Sozial- oder Nonprofit- Marketing bezeichnet wird,2 schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun- derts bei der Diffusion eines der ersten weltweit verbreiteten Modelle für die Organisation von Elementarschulen – des so genannten Bell-Lancas- ter-Systems – von herausgehobener Bedeutung war. Die Kernidee des Bell-Lancaster-Systems bestand darin, dass fortge- schrittenere Kinder ihre Mitschüler unterrichteten. Im Wesentlichen auf strikte Disziplin ausgerichtet, waren Bell-Lancaster-Schulen hierarchisch aufgebaut und straff durchorganisiert. Die Kinder waren in kleine Grup- pen aufgeteilt, die hinsichtlich ihrer Altersstruktur sehr heterogen sein konnten, in Bezug auf ihre Kenntnisse jedoch weitgehend homogen sein sollten. Bei den Unterrichtsinhalten ging es zunächst lediglich um die 1 Heribert Meffert, Marketing. Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung. Konzepte, Instrumente, Praxisbeispiele (Wiesbaden: Gabler, 2000). 2 Ehrenfried Conta Gromberg, Handbuch Sozial-Marketing (Berlin: Cornelsen, 2006). 16 Patrick Ressler: Nonprofit-Marketing im Schulbereich Vermittlung basaler Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen im Kontext einer ganz auf die religiöse Erziehung der Kinder ausgerichteten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.