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Takahata Isao

Maria M. Grajdian

Takahata Isao, einer der berühmtesten und einflussreichsten Anime-Regisseure, zu dessen Anime-Werken solche Blockbuster wie Heidi – ein Mädchen aus den Alpen und Das Grab der Glühwürmchen zählen, ist Thema dieser weltweit erstmaligen Biografie. Takahata Isao ist der Mitbegründer des Ghibli-Unternehmens und der ältere Kollege sowie Haupt-Promoter des Regisseurs Miyazaki Hayao. Durch das Produzieren von Anime-Filmen wie Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland (Oscar für den Besten Animationsfilm 2003) ist das Studio Ghibli in den letzten Jahrzehnten zum Inbegriff des japanischen Anime geworden und Miyazaki Hayao, der als Regisseur der meisten erfolgreichen Produktionen des Studio Ghibli auftritt, wurde als der berühmteste Anime-Regisseur aller Zeiten gefeiert. Wenige wissen allerdings, dass Takahata Isao hinter der charismatischen Gestalt Miyazakis steht. Dies liegt hauptsächlich daran, dass bislang keine umfangreichen Veröffentlichungen über Takahata Isao – als Mensch und als Anime-Autor – sowie über sein Werk vorliegen. Die Biografie, entstanden in Folge langjähriger Feldforschung und Literaturrecherche in Japan sowie zahlreicher Gespräche mit Takahata Isao, schließt diese Lücke. Sie ermöglicht die Vorstellung von Takahata Isao auch einem breiteren Publikum mittels einer wissenschaftlichen, jedoch gleichsam zugänglichen Analyse seiner Hauptwerke.

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Ernüchternde Gegenwart 77

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Ernüchternde Gegenwart "ᤘ๺ 20 ᐕ 9 ᦬ 21 ᣣޔᄛޔ௢ߪᱫࠎߛޕ":18 Auf diese Weise beginnt der Anime-Film, der den Höhepunkt des Ernüchterungsprozesses Takahatas darstellt – der Anime-Film Das Grab der Glühwürmchen ޡἫုࠆߩჄޢ Hotaru no haka (1988). Darin geht der Regisseur über den Topos kollektiver Schuldgefühle oder kollektiven Opfertums hinweg – denn es geht ihm haupt- sächlich um individuelle Schuldgefühle sowie um individuelle Opfer. Gegen Ende des Pazifikkriegs sterben in Folge von Unterernährung und sozialer Absonderung zwei verwaiste Kinder, der 14-jährige Seita ᷡᄥ und seine jüngere Schwester, die 4-jährige Setsuko ▵ሶ. Das Grab der Glüh- würmchen stellt ihren unverblümten Tod als alltägliche Tragik im Licht überindividueller Kämpfe zum Fortschritt und zur historischen Behauptung dar. Von Anfang an wird den zwei Kindern keine Überlebenschance gegeben, was eben durch die Abstraktheit des animierten Mediums stark und echt wirkt: "ࠕ࠾ࡔ࡯࡚ࠪࡦߛ߆ࠄߎߘᤋ௝ൻߢ߈ࠆ਎⇇ߛޕ " (Takahata 1991:422) 19 Es geht dabei einerseits um die Kritik des Kriegs als enthumanisierender Kraft – keineswegs ein notwendiges Übel, wie zynische Rechtfertiger bewaffneter Intrusionen ihn beschreiben –, und andererseits um den Versuch, das Menschliche im Tod und Vergeben wiederzufinden (Takahata 1991:442). Persönliche Entscheidungen stehen im Vordergrund his- torischer Ereignisse, die durch individuelle Verluste nicht nur hinterfragt werden, sondern ihre gesamte Legitimation verlieren. Bloßes Überleben wird im Zeitalter großartiger Identitätsdiskurse den Schwächsten nicht gewährleistet, was eben die Wirkung und Gültigkeit solcher Behauptungsmechanismen grund- sätzlich unterminiert. Das Grab der Glühwürmchen ist mehr als ein nüchterner Film, der über...

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