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Der kindliche Ich-Erzähler in der modernen Kinderliteratur

Eine erzähltheoretische Analyse mit Blick auf aktuelle Kinderromane

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Regina Hofmann

In Folge eines gewandelten Kindheitsbildes entsteht zu Beginn der 1970er Jahre der moderne Kinderroman. Damit kommt es zu inhaltlichen, thematischen und darstellungstechnischen Veränderungen in der Kinderliteratur und auch zum Durchbruch des «kindlichen Ich-Erzählers». Bislang wurde dieses Phänomen nicht eingehender untersucht. Ziel dieser Studie ist es daher, die Besonderheiten des kindlichen Ich-Erzählens in der Kinderliteratur herauszuarbeiten. Dies geschieht, indem zunächst ein Überblick über Berührungspunkte zwischen Kinderliteraturforschung und Narratologie gegeben wird. Im Anschluss daran werden einzelne kindliche Ich-Erzähler in der Geschichte der deutschen und ins Deutsche übersetzten Kinder- und Jugendliteratur von den Anfängen bis zur Gegenwart vorgestellt. Den Schwerpunkt bildet die Entwicklung eines Analyseinstrumentariums zur Bestimmung, Beschreibung und Untersuchung kindlicher Ich-Erzähler. Anhand von exemplarischen Analysen wird das Phänomen des kindlichen Ich-Erzählens schließlich veranschaulicht.

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4. Theoretische Fundierung – Kriterien und Kategorien zur Bestimmung und Analyse von kindlichen Ich-Erzählern 77

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77 4. Theoretische Fundierung – Kriterien und Kategorien zur Bestimmung und Analyse von kindlichen Ich-Erzählern Ein und dieselbe Geschichte kann auf sehr unterschiedliche Weise vermittelt werden. Daher unterscheidet die Erzähltheorie verschiedene Formen der erzäh- lerischen Vermittlung. Wird eine Geschichte von einem Erzähler berichtet, der selbst nicht als Figur der erzählten Welt auftritt, spricht man von der ‚Er- Erzählform‘ bzw. mit Genette von einer „heterodiegetischen“ Erzählinstanz (Genette 1994 [frz.1972/1983], S. 175 ff.). Ist der Erzähler gleichzeitig auch ei- ne am Geschehen beteiligte Figur, die von ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen erzählt, wird dieser als „homodiegetischer“ bzw. ‚Ich-Erzähler‘ be- zeichnet. Im Gegensatz zu einem nicht am Geschehen beteiligten Er-Erzähler, der generell nicht als erzählende Person ausgestaltet ist36 und so stark zurücktre- ten kann, dass der Eindruck entsteht, dass sich die Geschichte scheinbar erzählerlos von selbst erzählt, handelt es sich bei einem Ich-Erzähler grundsätz- lich um eine stark anthropomorphisierte Erzählinstanz, eine quasi-menschliche Figur,37 die (zumindest in der realistischen Literatur) „an die durch das men- schliche Erkenntnisvermögen und physikalische Gesetzmäßigkeiten vorgege- benen Grenzen gebunden“ ist (Nünning 1989, S. 49).38 In der Erzähltheorie werden verschiedene Begriffe verwendet, um das Erzählen in der Ich-Form genauer zu beschreiben. So unterscheidet man zum Beispiel zwischen dem gegenwärtig erzählenden und dem vergangenen, erlebenden bzw. erzählten Ich (vgl. hierzu genauer 4.2.3.) oder zwischen dem Erzähler als Haupt- oder Nebenfigur (vgl. 4.2.4.). W...

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