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Mensch im Dunkel

Eine qualitative Fallstudie zu osteuropäischen Opfern von Frauenhandel- Ein Beitrag zur Psychotraumatologie

Katarzyna Zentner

Bei dieser Fallstudie handelt es sich um die Darstellung und qualitative Analyse der psychischen Gesundheit von Opfern des Frauenhandels aus der psychotraumatologischen Sicht. Durch eine Kombination von drei verschiedenen Methoden, zu der problemzentrierte Interviews, die Aktenanalyse von Beratungs- und Gerichtsdokumenten sowie standardisierte Fragebögen zur klinischen Diagnostik gehörten, wurde vielschichtige komplexe Extremtraumatisierung mit Frauenhandelssyndrom (Syndrom der modernen Sklaverei) bei den Opfern, Jahre nach dem Geschehen, nachgewiesen.

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9. Qualitative Analyse des Forschungsmaterials zu extremen Erlebnissen durch Frauenhandel

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9.1 Reale Lebensgefahr und existenzielle Angst In Bezug auf den objektiven Zugang zum Trauma gehört Frauenhandel (Zwangsprostitution) zu den Traumata, die durch menschliche Gewalt und Ein- flussnahme (man made desasters) verursacht werden. Die traumatische Situation tritt mit voller Intensität und Heftigkeit, überraschend und unerwartet auf. Die Betroffenen werden durch die Anwerbungsmethoden der Menschenhändler in die Zwänge der ausbeuterischen sexuellen Verhältnisse ins Ausland gebracht, unter Bedrohung und ohne eine Fluchtmöglichkeit zu haben (s. Kap. 3). Sie werden Opfer von Schleusung und Frauenhandel. In dieser traumatischen Situa- tion, die schon auf dem Ausreiseweg anfängt, werden sie (psychisch) in dem Angst-Schreck-Zustand versetzt und niemand von außen kann ihnen irgendwel- che Hilfe geben. Durch die weitere psychische Bedrohung und Gewalttätigkeit der Täter empfinden sie permanent Entsetzen, Angst, seelische Erschütterung, Todesnähe und Verzweiflung, sodass sie psychisch völlig ausgeliefert sind. Diese theoretischen Ausführungen, die schon im Kapitel 4 dargestellt wurden, näm- lich, dass es sich hier um eine extreme traumatische Situation handelt, werden eindeutig durch die Aussagen der Frauen in den Interviews untermauert. Ein Beispiel dafür, dass die Opfer Angst und die reale Lebensgefahr empfinden, ist die folgende Sequenz aus dem Interview mit Natalia: Natalia: Ne (deutlich), sie haben schon in Y1, nach paar Tagen schon alles gesagt und .. ich weiß es nicht, in dem Moment weiß ich nicht, was ich gedacht habe (rechtfertigend) und .. Interviewerin: Was für ein Gefühl hattest du? N: Ich hatte Angst, Angst hatte...

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