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«Und am Morgen Freude»

Die Texte unserer Gedanken und Empfindungen- 20 Thesen zur Textlinguistik nach Wilhelm von Humboldt am Beispiel von Psalm 4

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Karin Lange

Humboldts texttheoretischer Ansatz, dessen Einfluß auf die moderne (Text-)Linguistik größer ist als bisher wahrgenommen, wird im ersten Teil dieses Bandes erstmals zusammenhängend nachgewiesen. Einige der Gedanken Humboldts zu Sprache und Sprechen weisen über unseren heutigen Stand noch hinaus, z. B. seine Betonung emotiver Aspekte der Kommunikation. Der zweite Teil, ein Beitrag zur Psalmenexegese, veranschaulicht und vertieft die gewonnenen Thesen zur Textlinguistik anhand einer Interpretation von Psalm 4. Dabei überschneiden sich Literatur- und Sprachwissenschaft. Die interdisziplinäre Arbeit bietet einen gut verständlichen Einblick in Inhalte und Methoden beider Teilgebiete: der Textlinguistik wie der alttestamentlichen Exegese. Fast beiläufig und wie von selbst berühren die Untersuchungen den ethischen Aspekt von Sprache, etwa in der Frage: Inwieweit beeinflussen unsere Texte im Kopf unser Handeln?

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Vorwort 11

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Vorwort Den Linguisten Wilhelm von Humboldt begeistert die „verbundene Rede”, der Text, in schriftlicher wie besonders in mündlicher Form, als Ausgang und Ziel aller sprachlichen Untersuchungen. Bereits um 1820 nimmt Humboldt die sich ständig erweiternden Fragestellungen der heutigen Textlinguistik vorweg: über Grammatik und Semantik hinaus „fordert” nämlich die „Rede” die Untersuchung ihrer kulturellen, situativen und anderen Kon-texte, auf die wiederum sie selbst, Sprache, von Anfang an einwirkt. Eng mit diesem kommunikativen Textver- ständnis verbunden sind bei Humboldt kognitive Prozesse: die ‚Texte im Kopf’. Dabei weist seine Betonung emotiver Aspekte textueller Kommunikation über den heutigen Stand noch hinaus. Und dies 150 Jahre vor der ‚pragmatischen Wende’ der Linguistik, die sie erst (wieder) zur Kommunikations- und Kogniti- onswissenschaft befähigte (vgl. ‚kognitive Wende’). Humboldts Sprachstudien verschieben unsere Perspektive, indem sie ‚Struk- turalismus’ oder ‚Konstruktivismus’ weniger neu und ‚Idealismus’ weniger alt erscheinen lassen. Schon bei Herder finden wir Grundlegendes zum Zeichencha- rakter der Sprache wie zur lexikalischen Semantik. Das nach Humboldt „Feinste” der Sprache, die Gedanken und Empfindun- gen, deren „Licht” und deren „Wärme”, läßt sich gut an den Psalmen studieren. Mit ihrem Schöpfungsgedanken referieren die hier ausgewählten biblischen Texte auf ein unerschöpfliches Potential: Was wir suchen, ist immer schon da. Die Lektüre der ausführlichen, teils interdisziplinär bedingten Anmerkungen, die streckenweise einem Subtext gleichen, sei eigens empfohlen. Ein Vorwort lebt von seiner lapidaren Kürze. Im Wintersemester 2007/ 2008 wurde die vorliegende Arbeit von der Fakul- tät III der P...

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