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Das Mittelalter in Romanen für Jugendliche

Historische Jugendliteratur und Identitätsbildung

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Melanie Rossi

Das Mittelalter stößt seit Jahren auf reges öffentliches Interesse und erfreut sich auch in der Jugendliteratur großer Beliebtheit. Dieser Band analysiert an zahlreichen Textbeispielen aus Romanen für Jugendliche die Darstellung von Themen und Motiven mittelalterlichen Ursprungs, historisch bedingter Problemlagen sowie ihrer möglichen Auswirkungen auf den Einzelnen. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage nach dem Einfluss der jugendliterarischen Darstellung des Mittelalters auf die jugendliche Entwicklung einer Vorstellung von dieser Epoche. An ihrem Beispiel wird so auch die didaktische Relevanz geschichtserzählender Jugendliteratur deutlich, indem zugleich nach ihrer Wirkung auf die historisch vermittelte Identitätsbildung gefragt wird. Die Diskussion einschlägiger Positionen zur historischen Jugendliteratur und ihren Wirkungsmöglichkeiten begleitet die Darstellung. In die Untersuchung fließen fortlaufend konkrete Hinweise zur Behandlung der Texte im Deutsch- und Geschichtsunterricht ein.

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3 Der Mensch als Individuum – anthropologische Konstanten im Jugendbuch 71

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71 3 Der Mensch als Individuum – anthropologische Konstanten im Jugendbuch 3.1 Die Figuren- und Geschlechterkonzeption im Roman über das Mittelalter 3.1.1 Authentizität, Identifikation und didaktische Relevanz: ein Problemaufriss Eine Auseinandersetzung mit historischer Jugendliteratur, die bei Untersuchung von erzählenden Darstellungen über eine Epoche deren Bedeutung und Möglichkeiten zur Entwicklung literarischer und sprachlicher Kompetenzen ausloten will, muss im Hin- blick auf Fächer übergreifenden bzw. Fächer verbindenden Unterricht Ziele und An- sprüche zumindest zweier Fachdidaktiken beachten: Ist für die Didaktik der Ge- schichte die Vermittlung historischen Sachwissens wesentliches Ziel gerade auch un- terrichtlichen Handelns, um die Entwicklung historisch vermittelter Identitätsbildung sowie eines Geschichtsbewusstseins zu unterstützen, so ist für die Literaturdidaktik eher das „Lehren und Lernen von Literatur in Lernkontexten“1 zentraler Aufgabenbe- reich. Auf Seiten der Schüler geht es konkret um den Erwerb von Lesekompetenzen als elementarer Kulturtechnik. In ihrer Fiktionalität werden die Romane dabei hier als ein Modell der Realität aufgefasst, das von ex- wie impliziten Normen der Gesell- schaft getragen ist und daher Auskunft über Deutungsmuster und Weltbilder der Auto- ren ebenso geben kann wie über die rezipierenden Leser.2 Daraus ergibt sich eine mehrfache Problemverknüpfung, die sich bei Betrachtung aller relevanten Themen und Motive niederschlägt, insbesondere aber bei der Analyse der handelnden Figuren: historische Jugendliteratur beschreibt an ihren Protagonisten Gesellschaftssysteme vergangener Epochen, deren Übertragung in die Gegenwart zu einer stilisierten, auch geschichtlich verzerrten Darstellung der Vergangenheit führt, da – wie Holger Zimmermann zu Recht feststellt – die...

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