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Das Mittelalter in Romanen für Jugendliche

Historische Jugendliteratur und Identitätsbildung

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Melanie Rossi

Das Mittelalter stößt seit Jahren auf reges öffentliches Interesse und erfreut sich auch in der Jugendliteratur großer Beliebtheit. Dieser Band analysiert an zahlreichen Textbeispielen aus Romanen für Jugendliche die Darstellung von Themen und Motiven mittelalterlichen Ursprungs, historisch bedingter Problemlagen sowie ihrer möglichen Auswirkungen auf den Einzelnen. Im Fokus der Untersuchung steht die Frage nach dem Einfluss der jugendliterarischen Darstellung des Mittelalters auf die jugendliche Entwicklung einer Vorstellung von dieser Epoche. An ihrem Beispiel wird so auch die didaktische Relevanz geschichtserzählender Jugendliteratur deutlich, indem zugleich nach ihrer Wirkung auf die historisch vermittelte Identitätsbildung gefragt wird. Die Diskussion einschlägiger Positionen zur historischen Jugendliteratur und ihren Wirkungsmöglichkeiten begleitet die Darstellung. In die Untersuchung fließen fortlaufend konkrete Hinweise zur Behandlung der Texte im Deutsch- und Geschichtsunterricht ein.

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5 Das Mittelalter im Jugendbuch – Perspektiven für Didaktik und Unterricht 275

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275 5 Das Mittelalter im Jugendbuch – Perspektiven für Didaktik und Unterricht 5.1 Darstellung: Die Geschichte des Mittelalters in Romanen für Jugendliche 5.1.1 Themen und Motive aus dem Mittelalter Im Rückblick seien zunächst die Ausgangspunkte vorliegender Untersuchung zusam- mengefasst: ausgehend u.a. von der Feststellung Heinrich Pletichas, dass die ge- schichtserzählende Jugendliteratur keinen Beitrag zur Formung eines Geschichtsbildes leiste,1 wurde die historische Jugendliteratur seit etwa Mitte der 80er Jahre daraufhin befragt, wie sie die mittelalterliche Vergangenheit darstellt. Außerdem war danach zu fragen, welchen Stellenwert im Rahmen der (literarischen) Sozialisation und historisch vermittelten Identitätsbildung sowie der historischen Bewusstseinsbildung sie einneh- men kann. Grundlage dafür war u.a. die Anregung Malte Dahrendorfs zu einer Unter- suchung der Wirkung von Jugendliteratur auf das Geschichtsbild jugendlicher Leser. Dahrendorf nahm an, dass die Vorstellung der Leser von Geschichte durch jugendlite- rarische Texte wesentlich mitgeprägt wird,2 sah aber zugleich die Gefahr einer Trivialisierung durch Personalisierung der Geschichte in der Jugendliteratur. Günter Lange unterstützte Dahrendorf insofern, als er annahm, dass fiktionale Literatur, ins- besondere geschichtliche, in der Lage sei, Geschichtsbewusstsein und historisches Denken zu beeinflussen und zu steuern.3 Hinsichtlich ihrer Einordnung in die Epoche ist festzustellen, dass die Handlung einer deutlichen Mehrheit der Romane über das Mittelalter zeitlich im Hoch- bzw. Spätmit- telalter angesiedelt ist (vgl. Tabelle 2, Kap. 1.2.2). Die Wahl dieses Zeitraums ist mit Blick auf historische Quellenlage und intendierte Leserschaft damit begründbar, dass dieser Zeitabschnitt Protagonisten in ein historisches Umfeld zu integrieren...

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