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Verfassungsfragen zum muslimischen Kopftuch von Erzieherinnen in öffentlichen Kindergärten

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Katharina Haupt

Diese Arbeit analysiert zunächst die Wirkungsweise des Symbols im Allgemeinen und des muslimischen Kopftuches im Besonderen. Im Anschluss wird speziell das Symbolverständnis von Kindern vor entwicklungspsychologischem Hintergrund betrachtet und ein Überblick über die bisher für die Bearbeitung relevante Rechtsprechung gegeben. Schließlich folgt die verfassungsrechtliche Bewertung des Kopftuches der Erzieherin im öffentlichen Kindergarten. Dabei werden Unterschiede zum Fall einer Lehrerin mit Kopftuch herausgearbeitet. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass ein gesetzliches Kopftuchverbot nur zulässig ist, wenn es sich gegen ein im Einzelfall zu bewertendes Verhalten richtet und Raum für die Beachtung und Abwägung der falltypischen Besonderheiten lässt.

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2. Kapitel: Symbolverständnis und religiöse Symbole in der Rechtsprechung 23

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23 2. Kapitel: Symbolverständnis und religiöse Symbole in der Rechtsprechung A. Wirkungsweise und Deutung von Symbolen Im Rahmen der verfassungsrechtlichen Bewertung des muslimischen Kopftu- ches einer Erzieherin wird früher oder später die Frage zu stellen sein, welche Wirkung dieses auf die Kinder entfaltet. Vor diesem Hintergrund muss zunächst geklärt werden, wie Symbole ganz allgemein auf einen Betrachter wirken. I. Wirkung Bevor ein Symbol irgendeine Form von Wirkung entfalten kann, muss es zu- nächst als solches wahrgenommen werden. Bei materiellen Gegenständen ist mit anderen Worten visuelles Erfassen bzw. visuelle Wahrnehmung nötig. Darin al- lein erschöpft sich jedoch nicht die Wirkung des Symbols auf den Betrachter. Denn wie oben gesehen, umfassen Symbole eine hinter dem Gegenstand stehende komplexe Idee106 und stellen etwas dar, was weit über die eigene Bedeutung des Gegenstandes hinausgeht. Diese hinter dem Symbolträger stehende, komplexe Idee beruht auf individuellen oder kollektiven Erlebnissen und ruft beim Betrach- ten des Symbols, mehr intuitiv als bewusst, Gefühle, Gedanken oder Absichten hervor.107 Aus der Tatsache, dass die hinter dem Symbol stehende Idee aufgrund eigener Erfahrungen und Erlebnisse erfasst wird, folgt für die Frage nach der Wirkung auf die Allgemeinheit bzw. einzelne Person, dass die Vorbildung, die Erziehung, der kulturelle Hintergrund, das Zeitgeschehen und die eigene Einstel- lung des Symboladressaten berücksichtigt werden müssen.108 So wird ein religiö- ses Symbol auch nur als ein solches wahrgenommen und verstanden, wenn der 106 Heckmann, JZ 1996, 880, 881; Helle, in: Oelkers/Wegenast...

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