Show Less

Schuldlose Verantwortung

Vorgaben der Hirnforschung für Ethik und Strafrecht

Series:

Michel Julien Friedman

Das Buch nimmt den von Hirnforschern vorgeschlagenen naturalistischen Standpunkt ein. Es fragt nach dessen Plausibilität hinsichtlich der Begründung unseres Schuldstrafrechts und den damit verbundenen Grundlagen philosophischer Ethik. Dabei erinnert sein Autor daran, dass unsere herrschenden Ethiken ein moralisierendes Werturteil unkritisch voraussetzen. Der Grund der Ethik scheint jenseits der Naturerklärungen zu liegen und sie erklären sich jeweils a priori für gut. Diese Zirkelhaftigkeit der Begründung von Ethik in den Konzepten einer Vernunftethik ist in den biologischen Begründungen von Ethik und Moral überwunden. Ethik und Moral fügen sich vollständig in den Nutzen der Lebensfunktionen menschlicher Individuen und ihrer sozialen Gemeinschaft ein. Der Autor spricht sich dafür aus, den Sinn juristischer Konzepte von Schuld und Strafe als eine Herausforderung anzunehmen, statt sie als eine Bedrohung für herrschende Systeme abzuwehren.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Idealismus contra Naturalismus 19

Extract

19 1. Idealismus contra Naturalismus 1.1 Die Grundproblematik Jedes idealistische Handlungskonzept wehrt naturalistische, materialistische Theorien des Handelns kategorisch ab. Es herrscht eine grundsätzliche Unver- einbarkeit zwischen der Vorstellung, dass Geist – in welcher Bestimmung auch immer – unser Handeln verursachen könne, und der entgegengesetzten Vorstel- lung, dass Handeln immer und ausschließlich eine materiellen Ursache hat. Als idealistisch im klassischen Sinn betrachten wir erstere Vorstellung, sowie die Auffassung, dass Handeln nur durch eine Theorie des Handelns erklärt werden könne, in der allein das Vokabular des Handelns zugrunde gelegt sei. Kennzei- chen des Idealismus und einer jeden Philosophie des Geistes ist es, dass sie die Überzeugung voraussetzen, Denken würde sich durch die Betrachtung des Den- kens als solchem vollständig selbst erklären. Während im Idealismus die Vor- stellung des Descartes vorherrscht, die aus der Selbstwahrnehmung des Den- kens, in der denkenden Substanz zu gründen, darauf schließt, dass das Denken auch in sich selbst gründe, schließen Philosophien des Geistes aus dem Erlebnis eines geistigen Zustandes, in dem nichts Materielles wahrgenommen wird, dar- auf, dass sich der Geist nur im Geist gründen könne. Auch eine Theorie des kommunikativen Handelns setzt Kommunikation als einen unhinterfragten Grundzustand voraus; freiheitliches Handeln setzt Freiheit ebenso unhinterfrag- bar als eine feste Errungenschaft voraus; Theorien über ethisches Handeln setzen die Kategorien einer ethischen Vernunft als selbstverständlich voraus. Diesen Vorstellungen liegt die zweifelhafte Voraussetzung zugrunde, dass es für die Er- klärung der Wahrnehmung eines geistigen Zustands,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.