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Schuldlose Verantwortung

Vorgaben der Hirnforschung für Ethik und Strafrecht

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Michel Julien Friedman

Das Buch nimmt den von Hirnforschern vorgeschlagenen naturalistischen Standpunkt ein. Es fragt nach dessen Plausibilität hinsichtlich der Begründung unseres Schuldstrafrechts und den damit verbundenen Grundlagen philosophischer Ethik. Dabei erinnert sein Autor daran, dass unsere herrschenden Ethiken ein moralisierendes Werturteil unkritisch voraussetzen. Der Grund der Ethik scheint jenseits der Naturerklärungen zu liegen und sie erklären sich jeweils a priori für gut. Diese Zirkelhaftigkeit der Begründung von Ethik in den Konzepten einer Vernunftethik ist in den biologischen Begründungen von Ethik und Moral überwunden. Ethik und Moral fügen sich vollständig in den Nutzen der Lebensfunktionen menschlicher Individuen und ihrer sozialen Gemeinschaft ein. Der Autor spricht sich dafür aus, den Sinn juristischer Konzepte von Schuld und Strafe als eine Herausforderung anzunehmen, statt sie als eine Bedrohung für herrschende Systeme abzuwehren.

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4. Ethik, Verantwortung und Schuld ohne die Ideologie einer reinen Vernunft 195

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195 4. Ethik, Verantwortung und Schuld ohne die Ideologie einer reinen Vernunft 4.1 Unbegründete Angst vor dem Verlust der Menschlichkeit Auf der Suche nach Fundamenten der Ethik, die ihre natürlichen Voraussetzun- gen nicht abwehren und verdrängen muss, finden sich einfache und leistungsfä- hige Konzepte. Zu Unrecht werden sie in der wissenschaftlichen Literatur meis- tens nur in Fußnoten erwähnt. Größte Aussicht auf Allgemeingültigkeit hat das aus Schopenhauers Mitleidsethik entstandene Konzept einer auf die Negativität des Glücks gestützten Ethik der wechselseitigen Anerkennung und Rücksichts- nahme. Sie steht im Einklang mit empirischen Beobachtungen, kann unabhängig von religiösen Überzeugungen und kulturellen sowie wie nationalen Eigenheiten jedem Menschen als Voraussetzung zugemutet werden und braucht sich nicht gegen neurobiologische wie auch neuropsychologische Forschung zu verteidi- gen. Mit größter Klarheit und Einfachheit hat sie Sigmund Freud in seiner Kultur- kritik zum Maßstab für soziale Entwicklungen herausgestellt. Von drei Seiten sei das Streben nach Glück für den Menschen durch massive Behinderungen beein- trächtigt. Zum einen stelle die äußere Natur ein letztlich unüberwindliches Hin- dernis dar. Tsunamis, Erdbeben, vernichtete Ernten und vieles mehr stellen zwi- schen den Menschen und sein Glück harte Arbeit. Zum anderen führe die innere Natur dem Menschen beharrlich seine Verletzlichkeit vor, indem sie ihn mit Krankheiten und der Endlichkeit seines Daseins belaste. Zum Dritten aber werde dem Menschen auch durch andere Menschen Leid zugefügt. Doch dieses ihm von anderen Menschen...

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