Show Less

Atomkraft als Risiko

Analysen und Konsequenzen nach Tschernobyl

Edited By Lutz Mez, Lars Gerhold and Gerhard de Haan

Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit am 26. April 1986 der vierte Reaktorblock des Atomkraftwerks Tschernobyl völlig zerstört und damit die bis heute schwerste Katastrophe in der zivilen Nutzung der Kernenergie ausgelöst wurde. Aber die verheerenden Auswirkungen des Unfalls und insbesondere die Risiken der atomaren Großtechnologie und deren Folgen für Mensch und Natur geraten zunehmend in Vergessenheit. Atomkraft als Risiko stellt eine interdisziplinäre Untersuchung der Katastrophe aus heutiger Perspektive vor. Nach einer Einführung in den Atomkonflikt werden Fragen thematisiert, die in der aktuellen Diskussion kaum präsent sind. Welche Wirkungen hatte der Super-GAU auf die Ökosysteme und die Nahrungskette? Kann eine Katastrophe wie die von Tschernobyl für die Zukunft ausgeschlossen werden? Wie haben sich seit der Reaktorkatastrophe die Einstellungen zur Kernenergie verändert? Gibt es eine Krise der kerntechnischen Fachkompetenz?

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Energiepolitische Konsequenzen

Extract

223 Energiepolitik nach Tschernobyl – zwischen Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Claudia Kemfert Einleitung Die Energieversorgung soll sicher, klimaschonend, aber vor allem auch bezahl- bar sein. Alle drei Ziele – Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz und Versorgungs- sicherheit – sollen gleichrangig erfüllt werden. Allerdings sind die drei Ziele nur teilweise komplementär, teilweise aber konfliktär. Dies wird insbesondere in Deutschland deutlich, wenn man sich vor Augen führt, wie künftig die Struktur der Energieversorgung aussehen wird. Insbesondere stellt sich die Frage, ob ohne Atomkraft die Klimaziele kosteneffizient umgesetzt werden können und welche Rolle die Steinkohle und Braunkohle in der Zukunft spielen sollen. Die Bürger Deutschlands protestieren seit langem gegen die Stromerzeugung aus der Kernenergie, zunehmend steigt jedoch auch die Ablehnung gegen Kohlekraft- werke, gegen erneuerbare Energien, insbesondere Windparks, aber auch gegen die Einrichtung von Infrastruktur, insbesondere Stromleitungsnetze. Die Ablehnung der Kohle wird an den zahlreichen Bürgerprotesten in den meisten Teilen der Bundesrepublik Deutschland deutlich. Zunehmend wächst jedoch auch der Widerwille gegen nahezu alle Energieanlagen – und gegen die dringend benötigte Infrastruktur. Auch scheint die Akzeptanz in Deutschland zu schwinden, die bei der Verbrennung von Kohle entstandenen Treibhausgase unterirdisch einzulagern (Carbon Capture and Storage). Wie soll dann aber künftig der Strom sicher, klimafreundlich und bezahlbar hergestellt werden? Knapp 80% der Stromerzeugung in Deutschland werden derzeit aus Kohle- und Atomkraftwerken gewonnen. Die erneuerbaren Energien wachsen stetig und können sicher bis zum Jahre 2020 einen Anteil von über 25% an der deutschen Stromerzeugung erreichen. Zudem wird im Zuge extrem hoher...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.