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Der Überläufer

Rudolf Diels (1900-1957) – der erste Gestapo-Chef des Hitler-Regimes

Klaus Wallbaum

Rudolf Diels war eine schillernde Persönlichkeit im Dritten Reich, und er war in mehrfacher Hinsicht untypisch. In jungen Jahren ein Liberaler, spielte er zum Ende der Weimarer Republik verschiedene Rollen. Diels arbeitete den Nazis zu, unterstützte aber gleichzeitig den Reichskanzler Kurt von Schleicher in seinem Bemühen, die NS-Bewegung zu spalten. Außerdem hielt er engen Kontakt zu den Kommunisten. Diels wurde 1933 ein wichtiger Mitarbeiter von Hermann Göring. Er wurde als Überläufer von Nazi-Anhängern angefeindet und sah sich zu Treueschwüren gegenüber seinen ärgsten Widersachern, Himmler und Heydrich, gezwungen. Nach 1945 verspürte Diels den Drang, seinen Wechsel zum NS-Regime zu rechtfertigen. Damit verhielt er sich ganz anders als andere belastete Funktionäre aus der NS-Zeit, die mit ihrer stillen und angepassten Art den Wiederaufstieg in der Bundesrepublik organisierten. Diels aber blieb ausgegrenzt, bis zu seinem überraschenden Tod 1957. Das Buch zeigt die Widersprüchlichkeit der Persönlichkeit von Diels und erklärt die Rätselhaftigkeit seines Wirkens.

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6. Der Regierungspräsident in Köln - 175

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175 6. Der Regierungspräsident in Köln 6.1. Absicherung zum Amtsbeginn Ende Juni 1934, als Diels schon einige Wochen lang in Köln tätig gewesen war, wurde er von Hermann Göring persönlich ins Amt eingeführt. Dies geschah am 27. Juni – nur drei Tage, bevor auf Hitlers Geheiß die Gruppe um Ernst Röhm ermordet wurde. Diese zeitliche Abfolge war nicht zufällig, wie Diels es selbst beschrieben hatte1: Göring habe entschieden, beim Termin zu Beginn der Tätig- keit des neuen Kölner Regierungspräsidenten persönlich zugegen zu sein – of- fenbar, um seine Fürsorge für seinen Schützling zu betonen. Dafür spricht auch der persönliche Brief von Göring an Diels vom 9. Mai.2 Merkwürdig blieb die Art, in der Diels seine Tätigkeit in Köln begann. Wie der damals in Köln tätige Oberregierungsrat Franz Thedieck später im Spruchge- richtsverfahren gegen Diels aussagte, war es sonst Sache des jeweiligen Ober- präsidenten, die Regierungspräsidenten ins neue Amt zu begleiten. Dass diesmal der preußische Ministerpräsident selbst auftrat, war schon eine Besonderheit3 und wurde auch entsprechend aufmerksam verfolgt, beispielsweise mit großen Berichten in den Kölner Zeitungen. Schon zu Beginn sah sich Diels dem Ver- dacht ausgesetzt, allzu eng mit „den Kardinälen“, also vor allem mit Kardinal Karl-Josef Schulte, in Kontakt zu stehen. Der frühere Mitarbeiter im Zoologi- schen Museum in Bonn, von Jordans, nahm 1950 zum Entnazifizierungsverfah- ren gegen...

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