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Der Überläufer

Rudolf Diels (1900-1957) – der erste Gestapo-Chef des Hitler-Regimes

Klaus Wallbaum

Rudolf Diels war eine schillernde Persönlichkeit im Dritten Reich, und er war in mehrfacher Hinsicht untypisch. In jungen Jahren ein Liberaler, spielte er zum Ende der Weimarer Republik verschiedene Rollen. Diels arbeitete den Nazis zu, unterstützte aber gleichzeitig den Reichskanzler Kurt von Schleicher in seinem Bemühen, die NS-Bewegung zu spalten. Außerdem hielt er engen Kontakt zu den Kommunisten. Diels wurde 1933 ein wichtiger Mitarbeiter von Hermann Göring. Er wurde als Überläufer von Nazi-Anhängern angefeindet und sah sich zu Treueschwüren gegenüber seinen ärgsten Widersachern, Himmler und Heydrich, gezwungen. Nach 1945 verspürte Diels den Drang, seinen Wechsel zum NS-Regime zu rechtfertigen. Damit verhielt er sich ganz anders als andere belastete Funktionäre aus der NS-Zeit, die mit ihrer stillen und angepassten Art den Wiederaufstieg in der Bundesrepublik organisierten. Diels aber blieb ausgegrenzt, bis zu seinem überraschenden Tod 1957. Das Buch zeigt die Widersprüchlichkeit der Persönlichkeit von Diels und erklärt die Rätselhaftigkeit seines Wirkens.

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7. Der Regierungspräsident in Hannover - 195

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195 7. Der Regierungspräsident in Hannover 7.1. Zügiger Wechsel nach Hannover Schneller, als er vermutlich selbst geglaubt hat, bekam Rudolf Diels nach sei- nem Abschied in Köln eine neue Aufgabe. Er blieb Regierungspräsident, verließ aber das Rheinland und zog nach Hannover. Am 26. Juni 1936 hatte er noch Heydrich geschrieben und ihm vorgeschlagen, vorübergehend als Agent nach Paris zu gehen. Dieses Begehren war offenbar unbeantwortet geblieben. Zwei Wochen später allerdings stand Diels’ weitere Verwendung bereits fest: Er blieb Repräsentant der staatlichen Verwaltung. Der Reichsinnenminister schickte ihm eine Verfügung: „Mit Zustimmung des Herrn preußischen Ministerpräsidenten versetze ich Sie hiermit in gleicher Amtseigenschaft an die Regierung in Han- nover und weise Sie vom Tage Ihres Dienstantritts in Hannover endgültig in die Stelle des Regierungspräsidenten in Hannover ein. Der Erlass vom 24. Juni 1936, betreffend Ihre Beurlaubung bis 15. Juli 1936, wird vom Tage Ihres Dienstantritts in Hannover gegenstandslos. Ich ersuche Sie, sich unverzüglich nach Hannover zu begeben und nach Meldung beim Herrn Oberpräsidenten den Dienst aufzunehmen. Dienstantrittsanzeige bitte ich umgehend vorzulegen.“1 Der Wechsel nach Hannover war nur möglich gewesen, weil der bisherige Re- gierungspräsident Ulrich Stapenhorst bereits im April abgelöst worden war. Der 57-jährige Stapenhorst genoss das Vertrauen der Nazis nicht. Dazu heißt es bei Klaus Mlynek: „Stapenhorst, der … die monatlichen Lageberichte in der Regel persönlich gründlich geprüft und nicht selten erheblich korrigiert hat, galt in na- tionalsozialistischen Kreisen...

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